In den ersten Kursen, die ich besuchte, fiel mir relativ bald auf: Nach Beendigung der Massage saß man sich gegenüber, faltete die Hände vor der Brust und verneigte sich als Zeichen des Dankes voreinander. Manche hauchten dazu noch „Namasté“.
Ich passte mich als unwissender Neuling an, weil es die meisten völlig selbstverständlich ausführten und die Anleiterin es so vorgab.
Was in den Kursen allerdings fehlte, war eine Erklärung dafür: Wieso machen wir das? Was haben diese Gesten und Wörter mit der westlichen, modernen und vor allem jungen Tradition der Tantra-Massage zu tun? Ist sie ohne diese kein vollständiges Ritual? Zerstöre ich gar einen heiligen Raum, wenn ich mir das Recht herausnehme, es anders zu handhaben?
Ich spürte von Anfang an eine Diskrepanz, denn mir war klar: Das bin doch nicht ich. Da machte ich etwas mit, obwohl ich es als Instrumentalisierung empfand. Ein einfaches „Danke für das Vertrauen“ hätte es genauso getan. Stattdessen nutzte man eine Fremdsprache, die mit mir als Mensch ohne entsprechenden kulturellen Hintergrund und Tradition nichts zu tun hat.
Es fehlte mir damals an Selbstsicherheit, meinen eigenen Weg zu gehen und mich gegen die aufgestülpte Konformität zu entscheiden.