Geschichte und Verantwortung
Osho und die Tantra-Massage: ein problematisches Erbe
Warum ich den Einfluss Oshos auf die moderne Tantra-Szene kritisch sehe.
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Männer und ihre Lust
Fast jeder Mann befriedigt sich selbst. Die meisten tun es im Stillen, und viele schämen sich dafür.
Michael Köllner · 2. Oktober 2026
Erinnerung
Erinnerst du dich an die Zeit, als du deinen Körper und deine Lust zum ersten Mal entdeckt hast?
An die Neugier und die Selbstverständlichkeit, mit der du das damals erlebt hast? Und an den Moment, als ein Stück dieser Freiheit verloren ging und sich ein Schleier darüberlegte?
Bei vielen Männern ist dieser Schleier geblieben. Kaum ein Thema ist so mit Scham belegt wie die Beziehung eines erwachsenen Mannes zu seiner eigenen Lust.
Ich vermute, dass sich fast jeder Mann mehr oder weniger regelmäßig selbst befriedigt, die meisten aber im Stillen. Manche genießen es, weil es ihnen keiner so gut besorgen kann wie sie selbst. Sie haben das Gefühl, sich selbst zu gehören, und dürfen ihre Fantasien ohne Scham ausleben. Andere sehen darin eine Notlösung, ein Zeichen von Einsamkeit oder puren Egoismus, vor allem wenn in der Partnerschaft kein Sex mehr stattfindet. Mancher mag ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für die eigene Lust zu nehmen.
Dahinter wirkt ein altes Männerbild: Die Lust eines Mannes scheint erst durch ein Gegenüber ihre Berechtigung zu bekommen, durch die Partnerin oder den Partner, den er befriedigt. Nach diesem Bild soll sich seine Sexualität auf den Akt richten, auf das Kinderkriegen und darauf, die Frau zufriedenzustellen. Umso schwerer ist es, das Tabu zu brechen, vor anderen dazu zu stehen oder in der Öffentlichkeit für das eigene Recht einzutreten, sich diesen Raum zu nehmen.
In schwulen Kreisen wird oft anders damit umgegangen. Wer heterosexuell aufwächst, wächst in eine gesellschaftliche Norm hinein. Da steht nicht im Vordergrund, sich über die eigene Sexualität Gedanken machen zu müssen. Das hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun, die Norm nimmt einem diese Frage einfach ab. Wer schwul ist, muss sich outen und nach außen hin legitimieren. Er kämpft für eine andere Form der Sexualität, für seine sexuelle Identität. Durch dieses Bewusstwerden fällt es oft leichter, mit gelebtem Sex offener umzugehen.
Unbeschwert ist das deshalb nicht. Viele schwule Männer tragen eine verinnerlichte Scham mit sich, aus dem Elternhaus, der Schule oder ihrem Glauben. Dazu kommt in der Szene oft ein anderer Druck: Körperideale, Dating-Apps, Leistung und Vergleich. Gelebter Sex mag dort selbstverständlicher sein. Sich selbst gut zu finden, so wie man ist, ist es nicht unbedingt.
Und dann gibt es Männer, die sich nie geoutet haben, die verheiratet sind, Väter sind und sich zu Männern hingezogen fühlen. Bei ihnen betrifft die Scham oft beides: die eigene Lust und das eigene Begehren.
Was oft fehlt
Selbstbefriedigung ist absolut legitim, natürlich und in Ordnung. Mein Wunsch ist, dass du siehst: Dein ganzer Körper kann vor Lust beben.
Viele Männer haben nie gelernt, mehr einzubeziehen als das Genital. Sie beschränken sich auf ihr Glied und auf anale Lust. Manche lieben die Erregbarkeit ihrer Brustwarzen und nutzen dieses Vergnügen, um sich zu stimulieren. Das mag toll sein, die Möglichkeiten für tiefere Lust schöpft es aber nicht aus. Wer den ganzen Körper einbezieht, entdeckt oft Stellen und Empfindungen, die er an sich noch nicht kannte. Dafür nehmen sich die wenigsten Zeit, und kaum einer hat einen Ort, an dem das in Ruhe möglich ist.
Ausprobieren
Es geht gar nicht darum, dir die Lust an deinem Glied zu nehmen. Es geht darum, sie zu bereichern und zu ergänzen.
Dass vieles so schnell geht, ist konditioniert. Wir sind stark über die Augen geprägt und werden von optischen Reizen überflutet. Das erregt das Gehirn, im positiven wie im negativen Sinn. Viele Männer schauen Pornos, und je mehr sie das tun, desto mehr lassen die eigenen Fantasien und selbst gebauten Bilder nach. Je stärker man im Kopf ist, desto mehr kommt man aus seinem Körper heraus und nimmt ihn in seiner Bedürftigkeit nicht mehr richtig wahr.
Dazu kommt die Gewohnheit. Wer sollte einem Mann beibringen, wie er sich selbst am besten berührt? Eigentlich wäre es eine Aufgabe von Vätern, ihren Söhnen einen gesunden Zugang zu ihrem Körper zu ermöglichen. Ich vermute aber, dass diese Aufklärung selten stattfindet. Also übernimmt man Wege, mit denen es leicht geht, oder man entdeckt selbst etwas und bleibt lange dabei, ohne zu wissen, welches Potenzial in einem steckt.
Geh ohne Erwartung heran. Nicht mit dem Gedanken, du berührst dich jetzt woanders und es wird sofort lustvoll, sondern mit dem Wissen: Das wird jetzt einfach anders. Du möchtest etwas Neues lernen und lässt dich darauf ein. Leg dich zum Beispiel nackt in dein dunkles Schlafzimmer und streichle deinen Bauch, ohne deinen Penis zu berühren. Schau einfach, was passiert. Du kannst jederzeit zu deinem Penis zurückkehren, wenn du Lust darauf hast. Das ist dir ja nicht genommen.
Wer Lust bisher vor allem über den Penis kennt, empfindet das anfangs vielleicht wie einen Verlust. Auch ein kleiner Prostata-Stimulator kann eine Möglichkeit sein und zugleich eine Herausforderung: Du führst ihn ein, legst dich hin, tust nichts und wartest fünf, zehn, zwanzig Minuten. Irgendwann reagiert der Körper von selbst, und es entstehen Wellen der Lust, die vergehen und wiederkommen. Das braucht Geduld und Übung.
Raum und Rahmen sind extrem wichtig. Du brauchst einen Ort, an dem dich niemand stört, an dem keiner hereinplatzen, zuschauen oder zuhören kann und an dem du wirklich loslassen darfst. Hilfreich ist auch eine feste Zeit in der Woche, in der du weißt: Jetzt geht das. Das schafft Vorfreude. Ob du Öl nimmst, ist eine Frage der Vorliebe. Wärme dagegen ist wichtig. Ist es zu kalt, zieht sich die Haut zusammen, und die Nerven sind weniger empfindsam.
Lebst du in einer Partnerschaft, heißt das, dazu zu stehen und es auszusprechen: Ich brauche jetzt Zeit für mich, ich habe Lust auf mich, und ich nehme mir dieses Recht. Das ist kein persönlicher Affront. Es gelingt, wenn beide offen sind und nicht gleich alles persönlich nehmen.
Langeweile kann aufkommen, oder eine Erwartung erfüllt sich nicht. Du bist erregt und möchtest diese Erregung eigentlich abstellen. Auch die Erektion kann verschwinden, und darüber definieren sich nach wie vor viele Männer. Trotzdem kann der Körper große Lust empfinden, ganz unabhängig von einer Erektion. Das erlebe ich in der Massage immer wieder.
Manchmal gehen Muskelkontraktionen wie Wellen durch den ganzen Körper, zehn, zwanzig, dreißig Sekunden bis zu einer Minute lang. Wer sich darauf einlässt, erlebt das als enorm lustvoll. Manche Gäste beschreiben danach ein Kribbeln am ganzen Körper.
Geht etwas verloren, wenn Erregung gleich zum Orgasmus führt? Das ist eine Wertung, die auch in Tantra-Kreisen gern hineingetragen wird, und ich finde sie schwierig. Manche Männer wünschen sich einen Orgasmus vor der Massage, damit sie vom genitalen Druck wegkommen und sich auf ihren Körper einlassen können. Und viele erleben bei der Massage des Intimbereichs einen unfassbar schönen Orgasmus. Danach bleibt keine Leere, sondern eine tiefe Entspannung und ein Ankommen in sich selbst.
Allein steckst du in einer Doppelrolle: Du sollst genießen und andere Bereiche deines Körpers kennenlernen, und gleichzeitig bist du derjenige, der langsam macht. Das ist schwierig. Berührt dich ein anderer Mensch, fällt diese Doppelrolle weg. Du darfst abgeben und loslassen, ein Stück weit wie ein kleines Kind, das empfangen darf. Du kommst weg von dem Willen, etwas erreichen zu müssen. Es ist eine andere Qualität der Berührung.
Manche Männer entdecken nach einer oder mehreren Massagen Bereiche an ihrem Körper, die sie vorher nicht als lustvoll kannten. Die Berührung lenkt die Aufmerksamkeit dorthin, sie spüren hin, und im Körper verändert sich etwas. Mit jeder Wiederholung festigen sich diese Bahnungen im Gehirn, in der Massage wie zu Hause.
Meine Haltung
Ich bewerte Selbstbefriedigung durchaus, und zwar positiv: Es ist gut und wunderbar, wenn du das tust.
Es ist ein Zeichen purer Lebendigkeit und davon, bei dir selbst zu sein. Es hat mit Selbstachtung und Respekt vor dir selbst zu tun.
Manchmal ist Selbstbefriedigung aber auch nur ein schnelles Ventil für Stress, ein weiterer Punkt, der abgehakt wird. Wie sie so zum Teil des Dauermodus werden kann, beschreibe ich in meinem kostenlosen E-Book „Aus dem Dauermodus aussteigen“.
In meinen Massagen steht deine eigene Lust im Mittelpunkt, und als Mann kenne ich sie von mir selbst.
Niemand kennt deinen Körper so gut wie du.
Selbstliebe ist kein Mangel.
Selbstliebe ist Selbstachtung.
Und deine Lust nimmt niemandem etwas weg.
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Geschichte und Verantwortung
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Wie aus unterschiedlichen westlichen und östlichen Einflüssen die heutige Praxis entstand.
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