Ein stilisierter Mann mit den sieben verschiedenen Chakren in Farbe.
Michael Köllner ·

Das Chakrenkonzept: Ursprung, Anatomie und moderne Einordnung

Wie selbstverständlich nutzen Tantra-Massage-Anbietende und Tantra-Studios Chakren in ihrer Arbeit, als würden sie schon immer dazugehören.

Doch was steckt wirklich hinter Chakren, die uns so vertraut erscheinen? Gibt es sie wirklich? Und benötigt westliches Neo-Tantra dieses Konstrukt? Wie sollten wir besten Falles damit umgehen? Schauen wir uns Entstehung, Entwicklung und Verwendung genauer an.

Vom Wortstamm zur heutigen Vorstellung

Bei meiner Reflexion über die Tantra-Massage und deren verbreiteten Eigenarten stoße ich immer wieder auf das System der Chakren. Diese Lehre hat sich wie ein kollektives Allgemeingut ins Gedächtnis gebrannt, und Alternativbehandelnde kommen scheinbar um sie nicht herum. Doch was ist das genau? Gibt es denn Chakren wirklich?


Wer heute von Chakren spricht, hat meist ein ziemlich eindeutiges Bild vor Augen: sieben Energiezentren, die sich vom Becken entlang der Wirbelsäule bis zum Scheitel erstrecken.

Jedem Chakra wird ein Name, eine bestimmte Farbe, Gefühle, Körperbereiche und Lebensthemen zugeordnet. Das Herzchakra steht zum Beispiel für Liebe, das Kehlchakra für Ausdruck, das Wurzelchakra für Sicherheit und Erdung. 10, 11

So selbstverständlich dieses Modell heute erscheint, so wenig selbstverständlich ist es historisch.

Das Wort cakra, meist Chakra geschrieben, stammt aus dem Sanskrit und bedeutet zunächst ganz schlicht Rad, Kreis oder Scheibe. Der Begriff ist sehr alt. Er findet sich bereits in den Veden, den ältesten überlieferten religiösen Texten Indiens. Dort bezeichnet cakra allerdings noch kein unsichtbares Energiezentrum im menschlichen Körper. 1

Das Rad erscheint vielmehr in unterschiedlichen Zusammenhängen. Es kann das Rad eines Wagens bezeichnen, einen Kreislauf symbolisieren oder in kosmologischen Vorstellungen für zyklische Bewegungen und Ordnungen stehen.

Auch die Vorstellung des mächtigen Herrschers als cakravartin, als jemand, dessen Rad sich überallhin bewegt, gehört in diesen Bedeutungsraum. 1

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Es gab nicht das EINE Chakrensystem

Tantrische Traditionen entwickelten unterschiedliche Systeme. Je nach Text und Schule finden sich verschiedene Zahlen von Zentren, verschiedene Positionen und unterschiedliche Zuordnungen.2, 3


Chakren wurden offenbar nicht als anatomische Organe verstanden, die jeder Mensch in exakt gleicher Zahl an exakt denselben Stellen besitzt. Wären sie vergleichbar mit Herz, Leber oder Nieren, müsste man erwarten, dass unterschiedliche Autoren dieselben Strukturen beschreiben. 2, 3

Chakren waren nicht einfach Punkte am Körper, denen bestimmte Eigenschaften zugeordnet wurden. Sie standen in Verbindung mit Meditation, Visualisation, Atem, Mantras, Gottheiten, Elementen und religiösen Vorstellungen.

Chakren erscheinen innerhalb solcher Systeme als besondere Zentren oder Knotenpunkte. Damit sind sie ursprünglich Teil eines viel größeren Modells. 2, 3

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Atmosphärische Detailaufnahme zur Körperwahrnehmung

Chakren gehören zu einem Modell

In den tantrischen Traditionen, in denen Chakren zu wichtigen Bestandteilen spiritueller Praxis wurden, gehörten sie zu einem umfassenderen Modell des Menschen. Neben dem sichtbaren und berührbaren Körper wurde der sog. subtile Körper gedacht. 2, 3


Dieser beschreibt keine zweite Anatomie im heutigen medizinischen Sinn. Er besteht nicht aus Organen, Blutgefäßen oder Nerven, die man bei einer Operation finden könnte. Er beschreibt vielmehr eine andere Ebene menschlicher Erfahrung. 2

Zu diesem Modell gehören Begriffe wie Prāṇa, Nāḍīs, die Chakrenund in bestimmten tantrischen und yogischen Traditionen auch Kundalini.

Diese Begriffe stehen nicht unabhängig nebeneinander, sondern bilden innerhalb solcher Vorstellungen ein zusammenhängendes System. Prāṇa bezeichnet dabei die Lebenskraft, Nāḍīs deren gedachte Bahnen und die Chakren besondere Zentren innerhalb dieses Geflechts. Kundalini beschreibt in bestimmten Traditionen schließlich eine Kraft, deren Aufstieg durch dieses System mit spiritueller Transformation verbunden wird.2, 3

Erst innerhalb dieses Zusammenhangs wird verständlich, welche Bedeutung Chakren in diesen Traditionen hatten.

Häufig wird Prāṇa schlicht mit 'Energie' übersetzt. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, die indischen Traditionen hätten eine bislang unbekannte physikalische Energieform entdeckt, die durch den Körper strömt.

Prāṇa hängt sprachlich und inhaltlich eng mit Atem und Leben zusammen. In den unterschiedlichen indischen Traditionen kann der Begriff verschiedene Bedeutungen annehmen. Er bezeichnet Lebenskraft, Lebenshauch oder unterschiedliche Funktionen des lebendigen Organismus. 1, 2

Es gehört zu einem historischen Modell, mit dem Menschen Lebensvorgänge und innere Erfahrungen beschrieben und ordneten.

Innerhalb dieses Modells bewegt sich Prāṇa durch sogenannte Nāḍīs.

Diese sind nicht mit Nerven oder Blutgefäßen gleichzusetzen. Sie gehören zur subtilen Körpervorstellung.

Verschiedene Texte nennen unterschiedliche Zahlen und beschreiben unterschiedliche Systeme. Besonders bekannt wurden später drei Bahnen: Idā, Piṅgalā und Suṣumṇā. 2, 3

Während Suṣumṇā die zentrale Achse bildet, verlaufen Idā und Piṅgalā als flankierende Bahnen auf der linken und rechten Körperseite. In den historischen Texten wurden sie vor allem mit dem Atemfluss durch die beiden Nasenlöcher und den kosmischen Prinzipien von Mond (Kühle, Idā) und Sonne (Hitze, Piṅgalā) verbunden. Ziel der tantrischen Atem- und Meditationspraxis war es, das Wechselspiel dieser beiden Außenbahnen zu harmonisieren, damit die Lebensenergie in die zentrale Suṣumṇā eintreten kann. 3, 4

In bestimmten tantrischen und späteren yogischen Systemen wird Kundalini als besondere Kraft beschrieben, die am unteren Ende des subtilen Körpers ruht. Häufig erscheint dafür das Bild einer zusammengerollten Schlange. 3, 4

Durch bestimmte Formen von Meditation, Atemlenkung, Konzentration und yogischer Praxis soll diese Kraft erweckt werden und durch die zentrale Bahn aufsteigen. Dabei durchläuft sie die verschiedenen Chakren. 3, 4

Das Ziel dieser Praxis war es nicht, möglichst viel 'Energie' in den Körper zu bekommen. Es ging vielmehr um eine tiefgreifende spirituelle Transformation.

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Chakren wurden in der Meditation gestaltet

Heute werden Chakren häufig behandelt, als befänden sie sich schon fertig im Körper und müssten nur gefunden, geöffnet oder harmonisiert werden.


In tantrischen Praktiken wurden diese Zentren jedoch auch visualisiert, mit Mantras verbunden und im Rahmen bestimmter Übungen geistig hervorgebracht beziehungsweise erfahren. Der Körper wurde damit zu einer Art innerem Raum spiritueller Praxis. 2, 4

Bestimmte Gottheiten konnten im Körper visualisiert werden. Bestimmte Laute wurden bestimmten Bereichen zugeordnet. Der eigene Körper konnte als Abbild einer größeren kosmischen Ordnung verstanden werden. 2, 4

Das macht verständlicher, warum unterschiedliche Traditionen zu unterschiedlichen Chakrensystemen kamen. Wenn Chakren Teil einer bestimmten meditativen und symbolischen Praxis waren, mussten Zahl, Lage und Bedeutung der Zentren nicht überall gleich sein.

Wenn man sich die historischen Beschreibungen genauer ansieht, wird noch etwas deutlich: Ein Chakra besitzt dort nicht lediglich eine Position.

Es kann eine bestimmte Anzahl von Lotusblättern haben. Auf diesen Blättern können Sanskritlaute erscheinen. Ihm können ein Element, geometrische Formen, eine Gottheit, ein Mantra oder weitere symbolische Inhalte zugeordnet sein. 4

Das Chakra ist damit ein komplexes Meditationsbild. Der Mensch richtet seine Aufmerksamkeit nicht einfach auf eine Körperstelle. Er verbindet diese Körperregion mit einer ganzen Bedeutungswelt. 2, 4

Das ist für unsere heutige Betrachtung wichtig. Denn damit wird verständlich, warum man vorsichtig sein sollte, wenn aus einem solchen symbolischen System nachträglich eine vermeintliche Anatomie gemacht wird. Ein Lotus mit einer bestimmten Zahl von Blütenblättern lässt sich ebenso wenig anatomisch nachweisen wie ein darin visualisiertes Sanskritzeichen oder eine Gottheit.

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Rücken und Steißbein eines Mannes als Symbol für die aufsteigende Kraft Kundalinis.

Was hat ein Chakra mit dem Körper zu tun?

Man könnte annehmen: Wenn Chakren Teil eines symbolischen oder meditativen Systems sind, haben sie mit dem wirklichen Körper überhaupt nichts zu tun. Aber das wäre zu einfach. Die Praktiken finden schließlich im Körper und durch den Körper statt.


Menschen atmen und spüren ihren Beckenboden. Sie erleben Spannung im Bauch, nehmen ihren Herzschlag wahr. Sie empfinden Enge in der Brust oder im Hals. Sie spüren sexuelle Erregung im Becken, Atembewegungen im Brustkorb und Veränderungen ihrer Wahrnehmung bei der Meditation.

Diese Empfindungen sind real. Werden sie als Bewegung oder Aktivität eines Chakras verstanden, erhalten sie jedoch eine bestimmte kulturelle, nicht wissenschaftliche Deutung. Die körperliche Erfahrung und ihre Erklärung sind nicht dasselbe. Möglicherweise liegt gerade darin ein Grund, warum Chakrenmodelle über lange Zeit hinweg als so überzeugend erlebt werden konnten: Sie geben schwer beschreibbaren körperlichen Erfahrungen eine Ordnung und Bedeutung. 2, 17

Auffällig ist jedoch, dass mehrere der heute mit Chakren verbundenen Körperregionen auch anatomisch und sensorisch besondere Bereiche sind. Dort finden sich etwa größere Nervengeflechte, Strukturen oder Körperfunktionen, die wir besonders deutlich wahrnehmen. 12, 15, 17

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Woher kommen unsere sieben Chakren?

Besonders einflussreich wurde später ein System, das mit dem tantrischen Text Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa verbunden ist, der im 16. Jahrhundert von Pūrṇānanda, einem bengalischen Gelehrten, Yogi und Tantriker verfasst wurde.4


Schon der Titel ist aufschlussreich: Ṣaṭ-cakra bedeutet sechs Chakren. Beschrieben werden die Zentren Muladhara, Svadhisthana, Manipura, Anahata, Vishuddha und Ajna. Über ihnen steht Sahasrara, der sogenannte tausendblättrige Lotus am oder oberhalb des Scheitels. 4

Das heute verbreitete System macht daraus gewöhnlich sieben gleichartige Chakren und zählt Sahasrara als siebtes Chakra hinzu. Man findet das Wurzelchakra unten, darüber Sakralchakra, Solarplexuschakra, Herzchakra, Kehlchakra, Stirnchakra und schließlich das Kronenchakra. Dazu kommen meist sieben Farben von Rot bis Violett und Eigenschaften wie Sicherheit, Sexualität, Selbstbewusstsein, Liebe, Kommunikation, Intuition und Spiritualität. 10, 11

Eine wichtige Rolle spielte dabei der britische Jurist und Sanskritkenner Sir John Woodroffe, der unter dem Namen Arthur Avalon veröffentlichte. 4, 5

1919 erschien sein Buch The Serpent Power. Darin machte er unter anderem den oben erwähnten, tantrischen Text Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa von Pūrṇānanda einem englischsprachigen Publikum zugänglich. Das Werk wurde zu einer wichtigen Quelle für die westliche Beschäftigung mit Kundalini und Chakren. 4, 5

Eine zweite wichtige Entwicklung fand innerhalb der westlichen Esoterik statt.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beschäftigten sich Vertreter der Theosophie (esoterische Lehre, die von einer verborgenen spirituellen Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt ausgeht) intensiv mit indischen Religionen und versuchten, deren Vorstellungen mit eigenen Lehren über feinstoffliche Körper, Aura, geistige Entwicklung und übersinnliche Wahrnehmung zu verbinden. 7, 9

Besonders einflussreich wurde der Theosoph Charles Webster Leadbeater. 1927 veröffentlichte er sein Buch The Chakras. Leadbeater beschreibt Chakren dort als leuchtende, bewegte und farbige Zentren eines feinstofflichen Körpers. Er schildert ihre Formen, Farben, Bewegungen und ihre unterschiedliche Ausprägung bei verschiedenen Menschen. Seine farbigen Darstellungen prägten die westliche Vorstellung von Chakren nachhaltig. 6, 7, 9

Damit veränderte sich das Konzept erneut. Die Chakren wurden nun stärker wie tatsächlich vorhandene feinstoffliche Organe beschrieben, die ein entsprechend begabter Mensch angeblich wahrnehmen könne. Zusätzlich entwickelte sich innerhalb der modernen westlichen Chakrenlehre das heute geläufige Regenbogen-Farbsystem und gehört fast selbstverständlich zum System dazu. 6, 7, 9

Historische tantrische Texte kennen durchaus Farben. Sie gehören zu den komplexen Visualisationen der einzelnen Zentren. Aber sie entsprechen nicht einfach unserem heutigen Regenbogensystem. 4, 10

Auch Leadbeaters Darstellungen waren wesentlich komplizierter als die heute verbreitete Reihe aus sieben einfarbigen Kreisen. Er beschrieb und illustrierte vielfarbige, schillernde Zentren. 6, 10

Noch eine weitere Veränderung kam hinzu. Die Chakren wurden zunehmend nicht nur spirituell, sondern psychologisch interpretiert. Ein wichtiger Schritt war die Beschäftigung des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung mit Kundalini-Yoga. 7, 8

1932 hielt Jung in Zürich ein Seminar über Kundalini-Yoga. Darin betrachtete er die Chakren nicht als Anatomie, sondern interpretierte den Aufstieg durch die verschiedenen Zentren psychologisch als Bilder unterschiedlicher Bewusstseinszustände und Entwicklungsprozesse. Die Aufzeichnungen dieses Seminars wurden später unter dem Titel The Psychology of Kundalini Yoga veröffentlicht. Damit entstand eine neue Möglichkeit, Chakren zu verstehen. 8

Muladhara konnte nun beispielsweise nicht nur als ein Ort innerhalb einer tantrischen Meditation erscheinen, sondern als Symbol einer bestimmten menschlichen Bewusstseinsstufe. 8

Von hier war es nur noch ein kleiner Schritt zu dem Chakrensystem, das wir heute kennen.

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Rücken und Steißbein eines Mannes als Symbol für die aufsteigende Kraft Kundalinis.

Hybridprodukt Chakrensystem

Unsere heutige Chakrenlehre wirkt ausgesprochen ganzheitlich und schlüssig. Aber gerade dies sollte uns vorsichtig machen. Denn hier begegnen wir nicht mehr ausschließlich einer alten tantrischen Lehre, sondern stehen einer moderne Synthese aus indischen Vorstellungen, westlicher Esoterik und Psychologie gegenüber. Problematisch wird es, wenn seine Entstehung verschleiert wird oder moderne psychologische und anatomische Deutungen fälschlicherweise als jahrtausendealtes Wissen verkauft werden.7, 9, 10, 11


Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden den einzelnen Chakren immer stärker psychologische Lebensthemen zugeordnet: 9, 10, 11

Das Wurzelchakra wurde mit Sicherheit, Überleben und Erdung, das Sakralchakra mit Sexualität, Lust und Kreativität verbunden. Das Solarplexuschakra erhielt Kraft, Selbstbewusstsein und Willen, das Herzchakra Liebe und Beziehung. Das Kehlchakra wurde durch Sprache und Selbstausdruck, das Stirnchakra durch Intuition und Erkenntnis ergänzt. Das Kronenchakra bekam schließlich seine Veredelung mit Spiritualität und Transzendenz. 10, 11

Im modernen Chakrensystem wurden schließlich noch weitere Ebenen ergänzt: Hormondrüsen, Nervengeflechte, Organe, Edelsteine, ätherische Öle, Töne, Lebensalter, Krankheiten, Persönlichkeitseigenschaften, Traumata und Ernährung. 10, 11

An diesem Punkt ist kaum noch erkennbar, welche Zuordnung aus einem historischen tantrischen Text stammt und aus der Theosophie, moderner Körperarbeit und irgendwann innerhalb der New-Age-Kultur oder Esoterik hinzugefügt wurde. 7, 9, 10

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Doch was ist mit dem Körper selbst?

Die Geschichte der Chakren erklärt vieles. Sie beantwortet jedoch noch nicht, warum gerade bestimmte Körperregionen über lange Zeit hinweg als besonders bedeutsam erlebt werden.

Was befindet sich tatsächlich an den Stellen der Chakren?

Es wäre verführerisch, einfach jedem Chakra ein Organ, eine Hormondrüse oder ein Nervengeflecht zuzuordnen und daraus zu schließen, die alten Chakrenlehren hätten diese anatomischen Strukturen intuitiv erkannt.


1. Muladhara: Damm und Beckenboden

Das Wurzelchakra wird am unteren Ende des Rumpfes verortet. Dort befindet sich mit dem Beckenboden und dem Nervus pudendus eine anatomisch und sensorisch ausgesprochen interessante Region. Halt, Muskelspannung, Ausscheidung und Genitalbereich treffen hier zusammen. Was daraus nicht folgt, ist die Zuordnung zu den Nebennieren — diese liegen weit entfernt im oberen hinteren Bauchraum auf den Nieren. 12, 13

2. Svadhisthana: Unterbauch, Becken und Sexualität

Hier befinden sich Blase, Darm und die inneren Geschlechtsorgane. Sexuelle Erregung erfordert ein komplexes Zusammenspiel von autonomem Nervensystem, Gefäßreaktionen und Körperwahrnehmung. Dass der Beckenraum als Zentrum sexueller Erregung erlebt wird, ist eine physiologische Tatsache — dass dort ein Energiezentrum existiert, ist eine spirituelle Deutung. 12, 14

3. Manipura: Warum wir Gefühle im Bauch spüren

Medizinisch gibt es im Oberbauch tatsächlich den Plexus coeliacus (Solarplexus), ein großes autonomes Nervengeflecht. Zudem stehen Magen und Darm über das Nervensystem in ständiger Kommunikation mit dem Gehirn. Veränderungen von Verdauung und Muskelspannung nehmen wir als „Bauchgefühl“ wahr. 15, 16

4. Anahata: Warum Gefühle so häufig in der Brust erlebt werden

Herzschlag und Atmung verändern sich mit Erregung, Angst und Entspannung. Der Brustraum ist ein zentraler Wahrnehmungsraum emotionaler Zustände. 17, 22

5. Vishuddha: Stimme und Atmung

Die Zuordnung zur Schilddrüse erklärt keine psychischen Funktionen. Hingegen ist der Kehlkopf (gesteuert über den Nervus vagus) das Organ unserer Stimme, welches stark auf emotionalen Stress reagiert ('Kloß im Hals'). 18, 19

6. Ajna & 7. Sahasrara: Drittes Auge und Kronenchakra

Die Zuordnungen von Ajna zur Hypophyse und Sahasrara zur Zirbeldrüse halten anatomisch nicht stand: Beide Drüsen liegen tief im Inneren des Gehirns und nicht direkt hinter der Stirn oder unter dem Scheitel. Hier überwiegt eindeutig die symbolische und spirituelle Bedeutung. 20, 21

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt also durchaus Körperregionen, an denen sich Chakren mit anatomisch oder sensorisch besonders bedeutsamen Bereichen überschneiden, aber eben nicht überall. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Chakren selbst anatomische Strukturen sind. Chakren sind somit keine biologischen Organe, sondern kulturell entwickelte Bezeichnungen für Bereiche, an denen sich Körperempfindung, Aufmerksamkeit und Bedeutung miteinander verbinden.

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Blockaden lösen - geht das wirklich?

Für die praktische Körperarbeit wird nun eine andere Frage interessant: Menschen erleben bei Berührung tatsächlich Spannung und Entspannung, Enge und Weite, Wärme, Zittern oder plötzlich aufkommende Gefühle. In der modernen Chakrenlehre können solche Reaktionen als Zeichen einer 'Blockade' oder als 'Öffnung' eines Chakras interpretiert werden. Doch was geschieht dabei tatsächlich? Und was bedeutet das für den Umgang eines Masseurs mit solchen Erfahrungen?


Kaum ein Begriff gehört so selbstverständlich zur heutigen Chakrenlehre wie die Vorstellung einer Blockade - die Energie in einem Chakra könne nicht mehr frei fließen. Wird diese gelöst, könne die Energie wieder strömen. Wärme, Zittern, ein tiefer Atemzug, plötzlich aufkommende Gefühle oder auch Tränen werden dann manchmal als Zeichen dafür verstanden, dass sich etwas 'öffnet'.10, 11

Doch damit wird eine körperliche oder emotionale Erfahrung interpretiert. Denn dass ein Mensch während einer Berührung Spannung, Enge oder starke Gefühle erlebt, lässt sich beobachten oder von ihm selbst beschreiben. Ob dahinter tatsächlich ein blockierter Energiefluss oder ein sich öffnendes Chakra steht, lässt sich dagegen nicht nachweisen.2, 11

Das mindert nicht die Erfahrung selbst. Interessant wird nun die Frage, was im Körper tatsächlich geschehen kann, wenn wir Spannung, Widerstand oder plötzliches Loslassen erleben.

Eine mögliche Erklärung liegt in der Art, wie unser Körper auf Stress, Anspannung und als bedeutsam erlebte Situationen reagiert. Dabei verändern sich nicht nur unsere Gedanken und Gefühle. Auch Atmung, Herzschlag, Muskelspannung und die Aktivität des autonomen Nervensystems passen sich an die jeweilige Situation an.22

Solche Reaktionen können sich auch wiederholen. Der Körper reagiert auf bestimmte Situationen dann mit einem Muster, das ihm bereits vertraut ist. Erfahrungen werden dabei nicht wie eine Erinnerung in einem Muskel oder einer Faszie abgelegt. Vielmehr verarbeitet und lernt das Nervensystem aus Erfahrungen und kann in ähnlichen Situationen erneut entsprechende körperliche Reaktionen hervorrufen.22, 24

Die häufig verwendete Vorstellung, Traumata oder Gefühle seien unmittelbar im Gewebe gespeichert, ist deshalb missverständlich. Das Gewebe kann zwar angespannt sein und der Körper auf Erfahrungen reagieren. Die Erinnerung selbst sitzt jedoch nicht in der Faszie, sondern im Nervensystem.24

Was in der Chakrensprache als 'Blockade' bezeichnet wird, könnte deshalb zumindest teilweise eine Beschreibung solcher tatsächlich erlebter Zustände sein: Ein Bereich fühlt sich fest, eng, unzugänglich oder kaum wahrnehmbar an.

Ebenso interessant wie die Frage nach einer 'Blockade' ist die Erfahrung, dass sich während einer Massage tatsächlich etwas verändern kann. Eine zuvor angespannte Körperregion wird weicher, die Atmung wird tiefer, Wärme breitet sich aus oder ein Mensch beginnt plötzlich zu zittern oder zu weinen. In der Sprache der Chakrenlehre kann dies als 'Lösen einer Blockade' oder 'Öffnen eines Chakras' beschrieben werden.

Auch diese Vorgänge benötigen jedoch nicht zwingend eine energetische Erklärung. Berührung verändert die Aufmerksamkeit: Ein Bereich des Körpers, der vorher kaum wahrgenommen wurde, rückt plötzlich ins Bewusstsein. Bei einer neuen, als angenehm und sicher erlebten Berührung verarbeitet das Nervensystem nicht nur den körperlichen Reiz, sondern auch die gesamte Situation. Fühlt sich der Mensch sicher, kann sich die autonome Regulation in Richtung eines ruhigeren Zustands verändern. Muskelspannung kann nachlassen, die Atmung ruhiger oder tiefer werden und auch Herzschlag und allgemeine körperliche Aktivierung können sich verändern.22, 23

Dabei können auch Gefühle entstehen oder stärker wahrgenommen werden. Eine Berührung kann Geborgenheit hervorrufen, aber ebenso Unsicherheit, Traurigkeit, Zittern, Scham, Sehnsucht oder Erinnerungen wachrufen. Manchmal geschieht dies sehr deutlich, manchmal bleibt der Zusammenhang für den Menschen selbst zunächst unklar. Dabei können durchaus Gefühle, Erinnerungen oder Reaktionsmuster auftauchen, die mit früheren belastenden oder traumatischen Erfahrungen verbunden sind. Aus der Reaktion allein lässt sich jedoch nicht ablesen, was genau ihre Ursache ist oder ob gerade ein 'Trauma aus dem Körper gelöst' wird. Entscheidend ist, die Erfahrung ernst zu nehmen, ohne ihr vorschnell eine bestimmte Erklärung aufzuzwingen. Was diese Veränderung für den Empfangenden bedeutet, kann der Masseur nicht von außen wissen. 17, 23, 24

Damit kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt: Ein Körper reagiert nicht unabhängig von dem Leben, das ein Mensch bisher geführt und erfahren hat. Einzelne Vorgänge wie veränderte Muskelspannung, Atmung, autonome Regulation oder emotionale Reaktionen können wir durchaus beschreiben. Was wir aber häufig nicht wissen, ist, warum gerade bei diesem Menschen, an dieser Stelle und in diesem Moment diese besondere Reaktion entsteht und welche Bedeutung sie hat.17, 22, 24

Vielleicht haben Begriffe wie 'Blockade' und 'Lösen' deshalb eine solche Überzeugungskraft, weil sie schwer beschreibbaren körperlichen Erfahrungen einen Namen geben. Sie können sprachlich nützlich sein, solange wir nicht vergessen, dass der Name noch keine naturwissenschaftliche Erklärung ist.

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Zwei Männer in einer Tantra-Massage.

Konsequenzen für die praktische Arbeit

Chakren lassen sich weder als unveränderte jahrtausendealte Lehre noch als nachgewiesene Energiezentren oder energetisches Erklärungssystem des Körpers verstehen. Als historisch gewachsene Landkarte können sie jedoch dabei helfen, Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Bereiche des Körpers zu richten. Man kann mit dieser Landkarte arbeiten, ohne sie für den Körper selbst zu halten. Man kann die überlieferten Vorstellungen kennen und ernst nehmen, sie aber nicht unkritisch weitergeben.2, 9, 10


Daraus folgt für mich vor allem eines: Als Körperarbeiter muss ich einem Gast nicht erklären, was Chakras sind und welches Chakra bei ihm 'blockiert' ist. Ebenso nicht, welche oder wie viel Energie gerade durch seinen Körper fließt. Ich kann wahrnehmen, was geschieht, aufmerksam begleiten und danach fragen, wie der Empfangende selbst sein Erleben empfindet und versteht.

Damit verändert sich meine Rolle: Ich bin nicht derjenige, der die verborgene Wahrheit über den Körper eines anderen Menschen kennt. Es schützt mich davor, zu diagnostizieren, was ich als Tantra-Massagepraktiker nicht darf. Und es behütet mich davor, mich in eine gehobene, vermeitlich besser wissende Position zu erheben und damit ein Machtgefälle erzeugen.25

Praktisch bedeutet das: Ich sage nicht "Hier befindet sich ein Energiezentrum, das ich öffne", sondern "Dieser Körperbereich kann sehr unterschiedlich und mitunter intensiv erlebt werden". Ich kann sagen: "ich nehme wahr, dass du bei der Berührung hier sehr angespannt bist", aber ich muss nichts mystisch-esoterisch erklären, dem Erlebten keinen Namen und keine Bedeutung geben, die der andere selbst vielleicht gar nicht darin sieht. Die Deutungshoheit bleibt beim Gast.

Ich kann die überlieferten Vorstellungen kennen und ernst nehmen, gebe sie aber nicht unkritisch weiter.

So bleibe ich auch in dem, was Tantra-Massagen als Richtung vorgeben: beobachten und geschehen lassen. Weniger behaupten, mehr wahrnehmen, und weniger deuten und mehr fragen. Und dem Menschen, der vor uns liegt, seine Freiheit lassen.

Wie sich diese Haltung konkret in meiner Arbeit widerspiegelt, findest du in meinem Angebot zur Tantra-Massage für Männer.

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Quellen 25 Quellen anzeigen Quellen schließen

1. Monier Monier-Williams: A Sanskrit-English Dictionary. Clarendon Press, Oxford, 1899. Digitale Ausgabe: Cologne Digital Sanskrit Dictionaries, Universität zu Köln. Lexikographischer Beleg für die älteren Bedeutungen von cakra als Rad, Kreis oder Scheibe sowie für vedische Belegstellen; prāṇa wird unter anderem mit Atem, Lebenshauch und Leben verbunden. Cologne Digital Sanskrit Dictionaries

2. Glen A. Hayes: „Esoteric Physiology and Subtle Body Systems“, in: Richard K. Payne / Glen A. Hayes (Hrsg.), The Oxford Handbook of Tantric Studies. Oxford University Press, 2023, S. 197–224. Wissenschaftliche Übersicht zu den zahlreichen hinduistischen und buddhistischen Systemen des subtilen Körpers, zu Chakren, Visualisation und Kundalini sowie zu ihrer Einbettung in konkrete religiöse und rituelle Systeme. Oxford Academic

3. Geoffrey Samuel: „Subtle bodies, longevity and internal alchemy“, in: The Origins of Yoga and Tantra: Indic Religions to the Thirteenth Century. Cambridge University Press, 2008, S. 271–290. Historische Untersuchung zur Entstehung subtiler Körpermodelle mit Nāḍīs, Chakren und zentralem Kanal sowie zu ihrer Funktion innerhalb tantrischer und yogischer Praktiken. Cambridge University Press

4. Arthur Avalon (Sir John Woodroffe): The Serpent Power: Being the Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa and Pādukā-pañcaka. Luzac & Co., London, 1919. Frühe englische Übersetzung und Kommentierung des Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa von Pūrṇānanda. Primärquelle für das dort beschriebene System aus sechs Zentren, Sahasrara, Kundalini, Lotusblättern, Lauten, Mantras, Elementen und Gottheiten. WorldCat

5. Kathleen Taylor: Sir John Woodroffe, Tantra and Bengal: 'An Indian Soul in a European Body?'. Curzon Press, Richmond, 2001. Wissenschaftliche Biografie zu Woodroffes Arbeit unter dem Namen Arthur Avalon und zur Bedeutung von The Serpent Power für die westliche Rezeption von Kundalini-Yoga und Tantra. WorldCat

6. Charles Webster Leadbeater: The Chakras: A Monograph. Theosophical Publishing House, 1927. Primärquelle für Leadbeaters hellsichtige Deutung der Chakren als farbige und bewegte Zentren eines feinstofflichen Körpers und für seine Verbindung von Chakren mit okkulten und körperbezogenen Zuordnungen. Google Books

7. Simon Cox: „Theosophical Gnosis and Astral Hermeneutics“, in: The Subtle Body: A Genealogy. Oxford University Press, 2022, S. 116–136. Religionswissenschaftliche Untersuchung zur theosophischen Umformung von Vorstellungen des subtilen Körpers, insbesondere bei Annie Besant und Charles W. Leadbeater, und zu deren Mischung aus indischen, kabbalistischen und eigenen esoterischen Deutungen. Oxford Academic

8. C. G. Jung: The Psychology of Kundalini Yoga: Notes of the Seminar Given in 1932, hrsg. von Sonu Shamdasani. Princeton University Press, Princeton, 1996. Primär- und Editionsquelle zu Jungs Zürcher Seminar von 1932 und zu seiner psychologischen und symbolischen Interpretation der Chakren und des Kundalini-Aufstiegs als Entwicklungsstufen des Bewusstseins. JSTOR / Princeton University Press

9. Junbo Sim: „The Study on The Formation Process of The Western Chakra System: Focusing on C. W. Leadbeater’s The Chakras“, 원불교사상과 종교문화, Nr. 91, 2022, S. 395–425. Wissenschaftlicher Fachaufsatz zur Herausbildung des westlichen Chakrensystems unter dem Einfluss der Theosophie und zu Leadbeaters Bedeutung für dessen Verbreitung. Korea Citation Index

10. Kurt Leland: Rainbow Body: A History of the Western Chakra System from Blavatsky to Brennan. Ibis Press, Lake Worth, 2016. Umfangreiche historische Rekonstruktion der westlichen Chakrenlehre, insbesondere der Entwicklung des Sieben-Chakren-Schemas, der Regenbogenfarben sowie der späteren Zuordnungen zu Drüsen, Psyche und weiteren Lebensbereichen. WorldCat

11. Anodea Judith: Eastern Body, Western Mind: Psychology and the Chakra System as a Path to the Self. Überarb. Ausgabe, Celestial Arts / Ten Speed Press, 2004. Repräsentative Primärquelle für die moderne Verbindung des Chakrensystems mit westlicher Psychologie, Entwicklungsmodellen, Sexualität, Selbstbild und weiteren psychologischen Lebensthemen. Penguin Random House

12. Kelsey J. Kinter / Bruce W. Newton: „Anatomy, Abdomen and Pelvis, Pudendal Nerve“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Medizinische Referenz zur sensiblen und motorischen Versorgung von Damm, Beckenboden und äußeren Genitalien durch den Nervus pudendus. NCBI Bookshelf

13. Rishi Megha et al.: „Anatomy, Abdomen and Pelvis: Adrenal Glands (Suprarenal Glands)“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Lage der Nebennieren auf beziehungsweise oberhalb der Nieren und damit zur Abgrenzung gegenüber einer Verortung im Beckenboden. NCBI Bookshelf

14. Dale Purves et al. (Hrsg.): „Autonomic Regulation of Sexual Function“, in: Neuroscience, 2. Aufl. Sinauer Associates, Sunderland, 2001. Neurowissenschaftliche Darstellung des Zusammenspiels von sympathischer, parasympathischer und somatischer Innervation sowie vaskulären Vorgängen bei sexueller Erregung und Genitalreaktionen. NCBI Bookshelf

15. Reena S. John et al.: „Celiac Plexus Block“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische und neurophysiologische Referenz zum Plexus coeliacus, auch Solarplexus genannt, als großem autonomen Nervengeflecht im Oberbauch. NCBI Bookshelf

16. Emeran A. Mayer: „Gut feelings: the emerging biology of gut–brain communication“, Nature Reviews Neuroscience, 12, 2011, S. 453–466. Übersichtsarbeit zur wechselseitigen Kommunikation zwischen Darm und Gehirn sowie zu Zusammenhängen mit autonomen Reaktionen, Affekt und interozeptiver Wahrnehmung. Nature Reviews Neuroscience

17. Hugo D. Critchley / Sarah N. Garfinkel: „Interoception and emotion“, Current Opinion in Psychology, 17, 2017, S. 7–14. Wissenschaftliche Übersicht zur Wahrnehmung innerer Körpersignale und zu deren Bedeutung für emotionale Zustände, darunter kardiale, respiratorische und andere körperliche Signale. PubMed

18. Adegbenro O. Fakoya / Ryan Winters / Vikas Gupta: „Anatomy, Head and Neck: Laryngeal Nerves“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Innervation des Kehlkopfs durch Äste des Nervus vagus und zu ihrer Bedeutung für die Stimmfunktion. NCBI Bookshelf

19. Bong Eun Lee / Gwang Ha Kim: „Globus pharyngeus: A review of its etiology, diagnosis and treatment“, World Journal of Gastroenterology, 18/20, 2012, S. 2462–2471. Medizinische Übersichtsarbeit zum sogenannten Globusgefühl oder „Kloß im Hals“ und zu möglichen Einflussfaktoren, darunter psychische Belastung und Stress. PubMed Central

20. Muthu Kuzhali Ganapathy / Prasanna Tadi: „Anatomy, Head and Neck, Pituitary Gland“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Hypophyse und ihrer Lage in der Sella turcica tief an der Schädelbasis. NCBI Bookshelf

21. Sadia Ilahi / Nitya Beriwal / Tahir B. Ilahi: „Physiology, Pineal Gland“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Medizinische Referenz zur Zirbeldrüse und ihrer Lage tief im Gehirn zwischen den Thalami beziehungsweise hinter dem dritten Ventrikel. NCBI Bookshelf

22. Sylvia D. Kreibig: „Autonomic nervous system activity in emotion: a review“, Biological Psychology, 84/3, 2010, S. 394–421. Umfangreiche Übersichtsarbeit zu Veränderungen des autonomen Nervensystems bei Emotionen und zu individuellen Mustern von Herz-Kreislauf-, Atem- und weiteren körperlichen Reaktionen. PubMed

23. Aikaterini Fotopoulou / Mariana von Mohr / Charlotte Krahé: „Affective regulation through touch: homeostatic and allostatic mechanisms“, Current Opinion in Behavioral Sciences, 43, 2022, S. 80–87. Neurowissenschaftliche Übersichtsarbeit dazu, wie angenehme und soziale Berührung Aufmerksamkeit, Affekt und körperliche Regulation beeinflussen kann, unter anderem über autonome und interozeptive Prozesse. PubMed

24. Sheena A. Josselyn / Susumu Tonegawa: „Memory engrams: Recalling the past and imagining the future“, Science, 367/6473, 2020, eaaw4325. Neurowissenschaftliche Übersichtsarbeit zum Engramm als neuronalem Substrat von Gedächtnisbildung und -abruf; Grundlage für die Abgrenzung gegenüber der Vorstellung, Erinnerungen seien als solche im Muskel- oder Fasziengewebe gespeichert. PubMed / Science

25. Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz), § 1. Gesetzliche Grundlage zur Abgrenzung der berufsmäßigen Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden als Ausübung der Heilkunde. Gesetze im Internet / Bundesministerium der Justiz

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