Schon das Wort ist aufschlussreich: „Fremd“ hieß im Althochdeutschen „fremidi“ und bedeutete ursprünglich „entfernt“.1 Fremdgehen heißt also: sich entfernen. Der Duden beschreibt es heute als eine heimliche Liebes- oder Sexbeziehung außerhalb der Partnerschaft.2 Die Heimlichkeit steckt schon in der Bedeutung.
Wo die Grenze liegt, sieht jeder anders. In einer großen Umfrage von 2023 sagten 35 Prozent der Deutschen, Untreue beginne beim Sex, 32 Prozent beim Kuss, etwa jeder Zehnte schon beim Flirten. Für wenige beginnt sie bereits, wenn man Gefühle für einen anderen Menschen hat.3
Unsere Religionen und Traditionen geben uns vor, wie wir leben sollen. Vieles davon ist wunderbar, manches aber körperfeindlich, schwulenfeindlich und in Schwarz und Weiß gedacht. Warum haben wir uns darauf eingelassen, dass die sexuelle Liebe nur einem einzigen Menschen gehören darf? Es gibt andere Modelle, und sie werden gelebt: offene Beziehungen oder Beziehungen mit mehreren Partnern, sogenannte polyamore Beziehungen.
Steckt hinter Fremdgehen ein unausgesprochener Besitzanspruch? Beinhaltet es ein Exklusivversprechen: Ich liebe dich, also habe ich nur mit dir Sex? Oder geht es um mehr?