Logo von touched to be. TOUCHED TO BE Raum für tantrisch orientierte Körperarbeit
Zwei Männer sitzen in einem sonnigen Raum eng beieinander auf einer Bodenmatratze; der eine hält den anderen von hinten in den Armen, beide haben die Augen geschlossen.

Treue und Begehren

Ist Tantra-Massage Fremdgehen?

Viele Männer, die zu mir kommen, leben in einer Beziehung. Nicht alle erzählen ihrem Partner davon. Wo beginnt eigentlich Untreue, und wer legt das fest?

Michael Köllner · 31. Oktober 2026

Aus meiner Praxis

Das Wort fällt selten.

Dass jemand im Gespräch ausdrücklich von Fremdgehen spricht, habe ich bisher kaum erlebt.

Aber es gibt Männer, deren Frauen nicht wissen, dass sie hier sind. Die nicht wissen, dass ihr Mann ein Begehren in Richtung Männer spürt und es auf seine Weise leben möchte. Manche sagen mir, ihre Frau dürfe das nicht erfahren, weil sie damit nicht umgehen oder es nicht akzeptieren könnte. Und auch schwule Männer in Beziehungen waren schon bei mir, deren Partner nicht wusste, wo sie sind.

Über Männer, die in festen Beziehungen leben und sich nach der Nähe eines Mannes sehnen, schreibe ich auch auf der Seite Warum nur Männer?

Eine Frage der Definition

Wo fängt Fremdgehen an?

Wer legt die Grenze fest, und wer bestimmt das? Je länger ich in diesem Bereich arbeite, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir uns über Jahrhunderte selbst Käfige gebaut haben.

Schon das Wort ist aufschlussreich: „Fremd“ hieß im Althochdeutschen „fremidi“ und bedeutete ursprünglich „entfernt“.1 Fremdgehen heißt also: sich entfernen. Der Duden beschreibt es heute als eine heimliche Liebes- oder Sexbeziehung außerhalb der Partnerschaft.2 Die Heimlichkeit steckt schon in der Bedeutung.

Wo die Grenze liegt, sieht jeder anders. In einer großen Umfrage von 2023 sagten 35 Prozent der Deutschen, Untreue beginne beim Sex, 32 Prozent beim Kuss, etwa jeder Zehnte schon beim Flirten. Für wenige beginnt sie bereits, wenn man Gefühle für einen anderen Menschen hat.3

Unsere Religionen und Traditionen geben uns vor, wie wir leben sollen. Vieles davon ist wunderbar, manches aber körperfeindlich, schwulenfeindlich und in Schwarz und Weiß gedacht. Warum haben wir uns darauf eingelassen, dass die sexuelle Liebe nur einem einzigen Menschen gehören darf? Es gibt andere Modelle, und sie werden gelebt: offene Beziehungen oder Beziehungen mit mehreren Partnern, sogenannte polyamore Beziehungen.

Steckt hinter Fremdgehen ein unausgesprochener Besitzanspruch? Beinhaltet es ein Exklusivversprechen: Ich liebe dich, also habe ich nur mit dir Sex? Oder geht es um mehr?

Ein Blick zurück

Warum wiegt Sex so schwer?

Die meisten ziehen die Grenze nicht bei den Gefühlen, sondern beim Körperlichen: beim Kuss oder beim Sex. Woher kommt diese Übermacht des Sexuellen in unserem Denken und Bewerten?

Ein Erklärungsversuch kommt aus der evolutionären Psychologie. Sie spricht von „Vaterschaftsunsicherheit“: Ein Mann, dessen Partnerin mit einem anderen schläft, riskiert, unwissentlich fremde Kinder großzuziehen. Eine bekannte Studie von 1992 fand, dass Männer stärker auf sexuelle Untreue reagieren und Frauen stärker auf emotionale. Diese Deutung ist allerdings umstritten.4

Dazu kommt unsere Geschichte: In der Bundesrepublik war Ehebruch bis 1969 eine Straftat. Wenn eine Ehe deswegen geschieden wurde, drohten bis zu sechs Monate Gefängnis.5 Das ist gerade einmal gut fünfzig Jahre her.

Was eine Tantra-Massage ist

Eine Massage ist kein Seitensprung.

Eine Tantra-Massage hat mit der klassischen Vorstellung von Fremdgehen überhaupt nichts zu tun, zumal bei ihr kein Geschlechtsverkehr stattfindet.

Eine Tantra-Massage ist eine körperliche und seelische Begegnung zwischen zwei Menschen, offener und ganzheitlicher als andere Massagen. Es findet eine Berührung des ganzen Körpers statt. Bei der Gay-Tantra- & Body-to-Body-Massage gehen wir einen Schritt weiter. Mehr dazu findest du auf der Seite Erleben.

Einer meiner Gäste war Single, heterosexuell orientiert und erlebte bei mir seine erste Tantra-Massage. Er fand sie wunderschön und wollte wiederkommen. Doch dann schrieb er mir, dass er nun eine Frau kennengelernt habe und nicht mehr kommen werde.

Würde er ihr etwas wegnehmen, wenn er sich eine Massage gönnt, die nur ihm guttut? Zieht er Energie oder Kraft ab, die er auf sie richten möchte? Ob er bei einer Rückenmassage genauso gedacht hätte? Da geht es um Verspannungen, die zu lösen sind, also um einen ganz anderen Bereich. Bei einer Tantra-Massage geht es um Ganzheit und darum, sich selbst im ganzen Körper wieder zu spüren.

Ist es vielleicht schon ein Tabu, sich selbst ganzheitlich zu spüren? Oder dass ein fremder Mensch, schlimmer noch, ein fremder Mann einen anderen Mann berührt? Und was geschieht, wenn er dabei auch dessen Genitalien berührt? Gehören die Genitalien eines Mannes, sobald er in einer Partnerschaft lebt, nur noch seiner Frau oder seinem Mann?

Vielleicht ist die Frage aber auch eine ganz andere, unbequemere: Wie sehr dient die Beziehung zu einer Frau manchen Männern als Schutz? Manche spüren in sich einen Funken, eine Anziehung zu Männern. Statt sich dem zu stellen, berufen sie sich auf ihre Partnerschaft: Ich habe doch eine Frau, also bin ich hetero.

Ein Mann liegt mit geschlossenen Augen auf einer Bodenmatratze, den Kopf im Schoß eines anderen Mannes, der im Schneidersitz sitzt und ihm sanft über Kopf und Wange streicht.

Erzählen oder nicht?

Die Entscheidung liegt bei dir.

Ob du deiner Frau oder deinem Partner davon erzählen magst, dass du eine Tantra-Massage bei mir erlebt hast, entscheidest allein du. Diese Verantwortung kann und will ich dir nicht abnehmen.

Du kennst deinen Partner sehr gut. Du kannst am besten einschätzen, wie er darauf reagieren könnte, wenn du davon erzählst. Und wir sprechen nicht von Beichten, denn du tust nichts Verbotenes und nichts Schlimmes.

Wenn du dir unsicher bist, würde ich dir mitgeben: Lass die Erfahrung, die du in der Tantra-Massage gemacht hast, erst einmal bei dir. Lass sie wirken und ruhen, und handle nicht aus einem momentanen Affekt heraus, zum Beispiel aus einem Schuldgefühl. Nimm dir ein paar Tage oder sogar Wochen Zeit. Dann kannst du immer noch entscheiden, ihm oder ihr zu erzählen, was du erlebt hast und wie es dir damit ergangen ist.

Frag dich, was du dir davon erhoffst, wenn du deinem Partner von deiner Erfahrung erzählst. Soll deine Frau dich besser verstehen? Soll dein Mann merken, dass dir Berührungen in der Beziehung fehlen? Bedenke auch die andere Seite: Es kann sein, dass dein Partner sich danach belastet oder minderwertig fühlt. Das hängt davon ab, wie sehr jemand in sich ruht. Wer sein Selbstwertgefühl nicht davon abhängig macht, was der andere tut, kann damit oft umgehen.

Vielleicht ärgert sich dein Partner oder deine Partnerin auch darüber, dass du dir das Recht herausgenommen hast, allein einen neuen Weg zu suchen, ohne ihn oder sie mitzunehmen. Dann fühlt er oder sie sich womöglich zurückgesetzt und fragt sich: Ist da eigentlich Vertrauen?

Manchmal braucht eine Beziehung aber auch eine Störung, damit beide aufwachen. Damit das, was längst Routine ist, plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Dann beginnt man, sich neu zu finden und neue Wege zu suchen. Das kann belebend sein. Wir lernen vor allem durch die fordernden Seiten unseres Lebens. Die leichten bringen uns kaum dazu, neue Erfahrungen machen zu wollen.

Vielleicht erhoffst du dir also, dass deine Beziehung einen wichtigen Impuls oder Anstoß bekommt. Soll die Liebe neu entfacht werden? Soll die sexuelle Lust wieder eine größere Rolle spielen? Vielleicht habt ihr über genau diese Punkte nie gesprochen, auch dein Partner nicht, weil er sich nicht getraut hat. Ich kenne Partnerschaften, in denen genau daraus der Wunsch entstanden ist, die Tantra-Massage gemeinsam zu lernen.

Nach der Massage

Bei sich angekommen.

Nach der Massage sprechen die Männer kaum über ihren Partner oder ihre Partnerin.

Sie sind dann so sehr bei sich selbst, dass ihre Beziehung in diesem Moment keine Rolle spielt. Was sich Tage oder Wochen später daraus entwickelt, bekomme ich nicht mit.

Bei Männern, die öfter kommen, merke ich, dass sie vertrauter mit der Situation werden. Sie gönnen sich einen Termin, erleben eine aufregende Zeit und gehen wieder. Vielleicht lernen sie, gelassener damit umzugehen, und merken, dass der vermeintliche Bruch zu ihren Partnern gar kein so großer ist, wenn überhaupt. Sie können ihre Erfahrung gut in ihr Leben und ihren Alltag integrieren.

Eine Tantra-Massage bietet eine Chance, aus den eigenen Rollen auszusteigen, auch aus der des liebevollen, treuen, fürsorglichen Partners, die manchmal einengen kann. Für ein paar Stunden darf ein Mann bei sich ankommen und einfach Mann sein, ohne die Fassade, die etwa eine Ehe, Heterosexualität oder monogame Homosexualität mit sich bringen können. Und danach geht er zurück in sein Leben, vielleicht und hoffentlich ein bisschen mehr bei sich selbst.

Zwei Männer sitzen Schulter an Schulter auf einer Bodenmatratze; ihre Hände liegen ruhig aufeinander, Schatten von Olivenblättern fallen über Haut und Leinen.

Für dich

Nimm dir Zeit.

In mir sprechen viele Stimmen. Die eine sagt: Hab den Mut und finde stärker zu dir. Du bist mündig, du sitzt in keinem goldenen Käfig.

Ich würde eine erwachsene Beziehung so beschreiben: Sie gibt dir Raum und Freiheit, dich selbst entdecken zu dürfen und dich immer besser kennenzulernen, getragen vom Wissen um Verständnis, Annahme, Vertrauen und die Liebe des anderen.

Für viele Männer ist das nicht so leicht. Sie tragen traditionelle Bilder von Geschlechterrollen und Beziehungen in sich. Sie haben sie vorgelebt bekommen und mussten sie bisher nicht hinterfragen. Das ist in Ordnung. Eine Massage kann ihnen einen neuen Blick auf sich selbst schenken und damit auch auf ihre Beziehung und ihre festen Regeln.

Du bist unsicher und weißt nicht, ob du dir eine Tantra-Massage geben lassen möchtest? Niemand zwingt dich dazu. Du kannst in einer Woche oder in einem Monat einen Termin ausmachen. Und wenn es dir hilft, sprechen wir gern vorher darüber, im Gespräch unter vier Augen. Ich höre dir zu und gehe ein Stück des Weges mit dir, bis du für dich Klarheit hast.

Du möchtest erst darüber sprechen?

Kein Geschlechtsverkehr.
Kein Seitensprung.
Zeit für dich.

Ob du davon erzählst, entscheidest du. Hier darfst du einfach bei dir sein.

Zur Blogübersicht

Zum Nachlesen

Quellen.

5 Quellen anzeigen
  1. 1. Duden: fremd (Herkunft), duden.de
  2. 2. Duden: fremdgehen, duden.de
  3. 3. Civey für WEB.DE (November 2023, 5.006 Befragte): Wo beginnt Untreue?, web.de
  4. 4. Buss, D. M., Larsen, R. J., Westen, D., Semmelroth, J. (1992): Sex Differences in Jealousy: Evolution, Physiology, and Psychology. Psychological Science, 3(4), 251–255, psychologicalscience.org
  5. 5. Legal Tribune Online: Der beleidigte Ehemann (Ehebruch in der Rechtsgeschichte), lto.de

Aus dem Blog

Das könnte dich auch interessieren.

Männer und Nähe

Warum nur Männer?

Warum ich ausschließlich mit Männern arbeite, und was Männer in Beziehungen bei mir suchen.

Weiterlesen

Einfach erklärt

Was ist eine Tantra-Massage?

Eine langsame, achtsame Massage des ganzen Körpers, ohne Esoterik erklärt.

Weiterlesen

Lust und Selbstliebe

Selbstliebe ist kein Mangel

Warum deine Lust niemandem etwas wegnimmt, auch nicht in einer Beziehung.

Weiterlesen

Lust auf eine Begegnung?

Lass uns einen Termin finden.

Freie Termine für eine Tantra-Massage oder Gay-Tantra- & Body-to-Body-Massage in Freiburg siehst du direkt in den Kalendern.

Wenn keiner passen sollte, schreib mir oder ruf gerne an. Wir finden einen Zeitpunkt, der für dich passt, und ich beantworte gern vorab deine Fragen.

Freien Termin ansehen

Telegram-Kanal

Diskret auf dem Laufenden bleiben.

Neue Texte, kurzfristig freie Termine für Männermassagen und offene Einblicke in Tantra-Massage und Gay-Tantra: meine Arbeit mit Lust, Erotik und Berührung von Mann zu Mann. Du kannst still mitlesen – ohne öffentliche Mitgliederliste.

Telegram-Kanal öffnen

Noch Fragen offen?

Schreib mir, wenn dich die Frage beschäftigt oder du erst darüber sprechen möchtest.
Lieber anrufen? 0761 / 48924318