Mir wurde damals klar, wie viel dieses Herausgenommensein ausmacht: ein ganzes Wochenende, von Samstag bis Sonntag, nur bei sich selbst und beim eigenen Körper. Genau das braucht es. Eine Stunde zwischen Feierabend und Abendessen reicht nicht, um in den eigenen Körper einzutauchen und wirklich beim anderen anzukommen.
An unserer gelebten Sexualität hat der Kurs wenig verändert, zumindest wenn man darunter nur das Genitale und den Sexualakt versteht. So habe ich es damals noch gesehen. Und doch sah ich es nach dem Kurs gelassener. Wir kuscheln, wir halten Händchen, wir sind uns nah und fühlen uns geborgen. Selbst die Vertrautheit in unserer Sprache gehört dazu. Ist das nicht auch Sexualität? Lange habe ich darunter gelitten, dass der Sex so wenig Raum hatte, weil ich mich auch über ihn definiert habe. Seit ich Sexualität weiter fasse, ist dieser Druck leiser geworden.
Viel mehr verändert hat sich in mir selbst. Ich spürte sofort: Das ist es, wonach ich so lange gesucht habe. Und ich kann das. Berühren fühlte sich an, als hätte ich es schon lange geübt. Nichts daran fühlte sich neu an.
Und es entstand eine Verbindung, die mir viel bedeutet: Als Gebender kann ich mich der Sexualität gefahrlos nähern, und auch anderen Männern, weil ich die Kontrolle behalte. Zugleich habe ich mich selbst neu erfahren. Meine Lust fühlte sich plötzlich anders an. Was ich bei einer Massage erlebe, ist tiefer als das, was ich bis dahin kannte.