Logo von touched to be. TOUCHED TO BE Raum für tantrisch orientierte Körperarbeit
Zwei Paar Ledersandalen stehen nebeneinander am Rand einer Bodenmatratze in einem sonnigen Kursraum, daneben gefaltete Handtücher.

Meine Tantra-Massagekurse, Teil 2 von 4

Mein erster Kurs.

Im ersten Teil habe ich dir erzählt, wie ich mich auf die Suche machte und warum mein Mann und ich uns für einen gemeinsamen Kurs entschieden haben. Hier erfährst du, wie es uns dort ergangen ist.

Michael Köllner · 27. Oktober 2026

Gefaltete Leinentücher, obenauf ein senffarbenes Tuch, und zwei Kissen liegen auf einer Bodenmatratze im Sonnenlicht.

Ankommen

Der erste Tag.

Der Grundkurs Tantra-Massage ging über ein Wochenende, von Samstag bis Sonntag.

Mein Mann und ich wussten nicht genau, was auf uns zukommt, und waren dementsprechend aufgeregt. Als wir uns im großen Raum versammelten und jeder sich kurz vorstellen musste, waren Schüchternheit, Unbeholfenheit und Befangenheit zu spüren, vor allem aber auch Neugierde und Vorfreude.

Wir hatten im Vorfeld nachgefragt, ob wir als schwules Männerpaar teilnehmen können. Ansonsten war der Kurs heterosexuell orientiert. Gerade Letzteres spielte zu Beginn vielleicht eine Rolle, aber relativ bald haben wir überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht. Es dauerte nicht lange, bis es selbstverständlich war, sich ein Tuch um die Hüften zu legen und weitgehend nackt auf der Matratze zu liegen. Die Angst vor der Nacktheit verschwand relativ schnell.

Innerhalb der harmonisch agierenden Gruppe entstanden schöne Gespräche. Mein Mann und ich hatten den Eindruck, dass die anderen uns als ganz selbstverständliches Paar unter Paaren wahrnahmen. Die sexuelle Orientierung spielte keine Rolle, denn es ging um etwas anderes. Vielleicht war das aber auch eine Selbstverständlichkeit, die wir selbst mitgebracht hatten und die uns niemand geben musste.

Die Massage selbst wurde auf Bodenmatratzen ausgeführt, manche hatten sogar eine aufstellbare Liege mitgebracht. Es gab Ehepaare, Paare in schwierigen Lebensphasen und Singles. In diesem Kurs blieb jeder bei seinem Partner oder seiner Partnerin. Ein Partnertausch fand nicht statt.

Die ersten Übungen

Geben, empfangen und ganz viel auf einmal.

Erst als wir ein wenig miteinander warm geworden waren, ging es los: mit Körper- und Aufmerksamkeitsübungen, die unsere Sinne ganz auf den anderen richteten.

An einem Assistenten sahen wir die Tantra-Massage einmal vollständig, vom ersten bis zum letzten Griff. Und dann waren wir selbst an der Reihe, Teil für Teil und im Wechsel der Rollen.

Kaum kniete ich als Gebender neben meinem Mann, dachte ich: Meine Güte, ist das anstrengend. Vielen der gezeigten Positionen war mein Körper noch nicht gewachsen, es fehlten mir Geschmeidigkeit und Kraft. Manche Stellungen waren schlicht unbequem. Dabei leben Langsamkeit und Aufmerksamkeit davon, dass der Gebende entspannt ist. Wer verkrampft ausharrt, kann nicht mit ganzer Hingabe berühren. Alternativen hätte ich mir gewünscht, gezeigt wurden keine. Dazu kam eine Flut an Griffen und Abfolgen, an Dingen, die zu beachten und zu bedenken waren. Ich war überfordert, körperlich wie mental.

Und trotzdem fühlte ich mich im Geben mehr zu Hause als im Empfangen. Wer gibt, behält die Kontrolle. Diese Rolle kenne ich aus meinem Leben und aus meiner Geschichte nur zu gut.

Befremdlich fand ich die Sprache, die im Kurs gepflegt wurde. Bestimmte Körperteile bekamen neue Namen, andere wurden geradezu mystisch umschrieben: Da war von Lingam und Yoni die Rede und von manchem mehr. Für mich war das neu, und weil ich mich nicht auskannte, nahm ich es einfach hin. Doch schon bald merkte ich, wie ich selbst in diese Sprache hineinrutschte, als gehörte es dazu, so zu reden. Erst später habe ich diese Umschreibungen in Frage gestellt. Ich brauche sie nicht.

Dann lag ich selbst auf der Matratze, und schon nach kurzer Zeit begannen meine Muskeln, sich zusammenzuziehen. Welle um Welle, und sie hörten lange nicht auf. Ich konnte nur daliegen und genießen, bis die Anleiterin vorbeikam und schmunzelte: „Oh, für dich scheint heute Feiertag zu sein.“ Von den „Wellen der Glückseligkeit“ hatte ich vorher gehört. Mit dieser abstrakten Formulierung konnte ich wenig anfangen, und ich war mir sicher, so etwas würde ich nie erleben, wenn überhaupt, dann nach Jahren des Übens. Dass es sich so schnell einstellte, war eine fantastische Erfahrung.

Die andere Seite

Wo es wehtat.

So schön diese Erfahrung war, sie hatte auch eine andere Seite.

Durch angeborene Gegebenheiten und mehrere Operationen ist mein Intimbereich nicht mehr unversehrt. An manchen Stellen fehlt mir das Gefühl, an anderen empfinde ich Schmerz statt Lust. Manche Massagetechniken sind für mich deshalb schwierig, manche unmöglich. Es gibt Wege, die auch für mich funktionieren. Doch im Kurs gab es Übungen für genau diese Bereiche, angekündigt mit dem Satz: „Das ist die Stelle, an der Männer besonders sensibel sind.“ Ich bin es dort nicht mehr. Dieser Satz traf mich mitten ins Herz und machte mich todtraurig.

Dabei sollte mich der Kurs doch in die andere Richtung führen: hin zur Versöhnung mit meiner Sexualität, hin zu Stellen, an denen ich Lust empfinde. Weg von der Brille, durch die ich mich nur als Mangel sah, als einen, der nicht ist wie jeder andere Mann. Ich wünschte mir, trotz allem Lust empfinden zu können. Es war eine Gratwanderung.

Und doch: Der Kurs bleibt für mich eine wunderbare Erfahrung. Die Stimmung war wunderbar, die Gruppe trug alles mit, die Atmosphäre war angenehm und locker. Alle begegneten einander mit Offenheit und Rücksicht. Dass das nicht selbstverständlich ist, sollte ich im nächsten Kurs erleben.

Ein Mann sitzt, leicht von hinten gesehen, allein am Rand einer Bodenmatratze, den Kopf gesenkt, ein Leinentuch um die Hüften.

Zurück im Alltag

Was danach blieb.

Wir kamen beide beschwingt aus diesem Wochenende zurück. Zu Hause haben wir, soweit ich mich erinnere, noch einmal geübt. Doch im Alltag fand die Tantra-Massage keinen Platz.

Mir wurde damals klar, wie viel dieses Herausgenommensein ausmacht: ein ganzes Wochenende, von Samstag bis Sonntag, nur bei sich selbst und beim eigenen Körper. Genau das braucht es. Eine Stunde zwischen Feierabend und Abendessen reicht nicht, um in den eigenen Körper einzutauchen und wirklich beim anderen anzukommen.

An unserer gelebten Sexualität hat der Kurs wenig verändert, zumindest wenn man darunter nur das Genitale und den Sexualakt versteht. So habe ich es damals noch gesehen. Und doch sah ich es nach dem Kurs gelassener. Wir kuscheln, wir halten Händchen, wir sind uns nah und fühlen uns geborgen. Selbst die Vertrautheit in unserer Sprache gehört dazu. Ist das nicht auch Sexualität? Lange habe ich darunter gelitten, dass der Sex so wenig Raum hatte, weil ich mich auch über ihn definiert habe. Seit ich Sexualität weiter fasse, ist dieser Druck leiser geworden.

Viel mehr verändert hat sich in mir selbst. Ich spürte sofort: Das ist es, wonach ich so lange gesucht habe. Und ich kann das. Berühren fühlte sich an, als hätte ich es schon lange geübt. Nichts daran fühlte sich neu an.

Und es entstand eine Verbindung, die mir viel bedeutet: Als Gebender kann ich mich der Sexualität gefahrlos nähern, und auch anderen Männern, weil ich die Kontrolle behalte. Zugleich habe ich mich selbst neu erfahren. Meine Lust fühlte sich plötzlich anders an. Was ich bei einer Massage erlebe, ist tiefer als das, was ich bis dahin kannte.

Meine Haltung

Was ich heute anders mache.

Vieles aus diesem ersten Kurs trage ich bis heute in mir, es bildet das Fundament meiner Arbeit. In manchen Dingen habe ich mich professionalisiert und handle bewusst und aus Überzeugung anders.

An oberster Stelle steht für mich: Dem Massierenden muss es gut gehen, damit es dem Massierten gut gehen kann. Wenn du bei mir lernst, suchen wir gemeinsam nach Positionen, die zu deinem Körper passen. Niemand muss in einer Haltung ausharren, die ihm wehtut. Und niemand ist gezwungen, in permanentem Dauerkontakt mit dem Massierten zu bleiben.

Ich zeige die Massage nicht auf einmal, sondern in Schritten, die man wirklich aufnehmen kann. Erst schaust du zu, dann lernst du den langsamen Teil, dann den kraftvolleren. Jeder Schritt bekommt seine Zeit.

Ich spreche klar und direkt und bediene mich keiner mystifizierenden Sprache. Bei mir heißt ein Penis Penis. Wer stattdessen Lingam sagt, will etwas vermeintlich Gewöhnliches erhöhen, ihm etwas Heiliges geben. Damit schwingt aber auch mit, das eigene Wort sei zu wenig, zu gewöhnlich oder sogar schmutzig. Das sehe ich nicht so. Wenn ich Arm sage, ist das schließlich auch nicht respektlos. Ich brauche keine Umschreibungen aus fernen Traditionen, um einen Körper achtsam zu berühren.

Nicht jeder Körper reagiert gleich. Wenn du an einer Stelle wenig spürst oder dir eine Berührung unangenehm ist, wird das bei mir nicht weggeredet. Wir schauen gemeinsam, was für dich stimmt, und suchen deinen eigenen Weg, um deinen Körper wieder bewusster wahrnehmen zu können.

Und ich nehme mir Zeit. Eine Tantra-Massage dauert bei mir mit Vorgespräch und Nachspüren rund drei Stunden. Auch beim Lernen gibt es keine Eile: Wir arbeiten in ausgiebigen Terminen, in denen du in Ruhe ankommen, ausprobieren und nachspüren kannst.

Alle Möglichkeiten, die Tantra-Massage bei mir zu lernen, findest du auf meiner Seite Erlernen.

Ein Mann kniet auf einem Kissen neben einer Bodenmatratze und legt beide Hände ruhig auf den Rücken eines liegenden Mannes, daneben ein senffarbenes Tuch.

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