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Ein großer, sonniger Kursraum mit vielen Bodenmatratzen, im Hintergrund eine gemischte Gruppe in Leinentüchern, vorn eine leere Matratze mit zerknülltem senffarbenem Tuch.

Meine Tantra-Massagekurse, Teil 3 von 4

Wenn Einzelne den Raum bestimmen.

Ein neuer Tantra-Massagekurs. Eine neue Gruppe, große Erwartungen und eine Erfahrung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Auch das gehört dazu.

Michael Köllner · 27. Oktober 2026

Ein Mann in Leinenhemd steht, von hinten gesehen, mit einem Handtuch unter dem Arm in der Tür eines sonnigen Kursraums und schaut zögernd zur Gruppe hinein.

Der zweite Kurs

Ein neuer Anlauf.

Nach dem ersten Wochenende waren mein Mann und ich neugierig auf mehr. Wir meldeten uns für einen weiteren Kurs in einer etwas anderen Massagerichtung an.

Die Gruppe war größer, und wieder war sie gemischtgeschlechtlich. Natürlich brachte ich eine gewisse Erwartung mit, zu stark waren die Erinnerungen an die schönen Erlebnisse des ersten Kurses.

Was ich aus diesem Kurs mitnahm? Er hat mir gezeigt, wie sehr eine solche Erfahrung von den Menschen geprägt wird, mit denen man sie teilt.

Die Gruppe

Wenn die Stimmung kippt.

Ankommen, sich Zeit nehmen, in sich hineinspüren und eintauchen in das, was gerade da ist: Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit, und niemand kann vorhersehen, wie sie sich in einem solchen Rahmen zeigt.

Zu Beginn bewegten wir uns ein wenig, um im Körper anzukommen. Dabei fiel mir auf, dass sich eine Teilnehmerin sehr gehemmt bewegte, fast verkrampft. Man sah, dass sie an etwas schwer trug, und man spürte, dass sie eine Last mit in den Raum brachte.

Durch meine Lebensgeschichte bin ich sehr sensibilisiert und nehme Schwankungen im Raum sehr schnell wahr. Das Verhalten dieser Frau zog viel Aufmerksamkeit von mir ab. Es fiel mir schwer, bei mir zu bleiben und wirklich bei mir selbst anzukommen.

In einer der ersten Massageübungen brach sie schließlich ganz ab. Sie war sichtlich aufgewühlt. Die Anleitung versuchte, die Situation mit ihr zu klären, doch am Ende verließ sie den Raum und auch den Kurs. Diese Unruhe übertrug sich sehr stark auf mich. Spätestens hier ließ mein Vertrauen nach, von dieser Gruppe getragen zu werden, und mit ihm das Loslassen.

Ich möchte das nicht verurteilen. Wer sich auf eine solche Erfahrung einlässt, begibt sich in eine Situation, die seelisch durchaus herausfordernd sein kann. Hilfreich ist es, wenn man das schon vorher weiß und ein Kurs es offen anspricht. Wenn dann etwas aufbricht, dann bricht es auf. Niemand tut das aus Boshaftigkeit. Man muss sich nur bewusst sein, dass es nicht allein den Einzelnen betrifft, sondern auf die ganze Gruppe ausstrahlt und auf das, was zwischen allen mitschwingt.

In der Pause fühlte ich mich genötigt, eine andere Teilnehmerin zu fragen, was denn los gewesen sei. Heute weiß ich: Ich war wieder einmal dabei, Verantwortung für etwas zu übernehmen, das gar nicht meines war.

Ein altes Muster

Erstarrt.

Nach der Pause stand eine Massagetechnik für Penis und Hoden auf dem Programm.

Ich bekam keine Erektion. Mein Mann bemühte sich sehr und war sichtlich verzweifelt, weil er mir etwas Gutes tun wollte. Aber seine Berührungen fühlten sich für mich wie Manipulation an, wie etwas, das an mir gemacht wurde, ohne dass ich es wirklich wollte.

Und ich fiel in ein altes Verhaltensmuster zurück: Ich erstarrte. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich konnte ihm weder sagen, dass er aufhören soll, noch, was er anders machen könnte. Mir versagte die Stimme.

Es dauerte, bis die Anleitung bemerkte, dass mit mir etwas nicht stimmte. Schließlich kam sie zu mir und fragte, was mit mir sei. Erst da konnte ich sprechen. Ich musste abbrechen, ging hinaus und musste mich erst einmal sammeln. Mein Mann blieb im Raum zurück. Auch für ihn war das nicht leicht.

Vielleicht war ich in diesem Moment für die anderen das, was diese Frau zuvor für mich gewesen war. Auch bei mir brach etwas auf, etwas wurde berührt und gespiegelt. Wie sehr sich das auf die Gruppe ausgewirkt hat, weiß ich nicht.

Selbst die Schlussrunde, in der jeder erzählen sollte, wie es ihm im Kurs ergangen war, fand keinen guten Abschluss. Ein Teilnehmer kritisierte auf nicht nachvollziehbare Weise eine bestimmte Übung, die wir gemacht hatten.

War das ein schöner Kurs? Vielleicht ist das gar nicht die richtige Frage. Meinen Klavierschülern sage ich oft: Das Klavier spiegelt dich. Ich höre im Ton, ob jemand angespannt ist, müde oder gehemmt, ob er Kraft hat oder locker ist. Das ist kein Grund, sich zu ärgern oder zu schämen, sondern eine Chance, genau dort hinzuschauen. Die Töne, die gelingen, sind wunderbar. Die, die nicht gelingen, sind es auch, denn sie zeigen, wohin ich meine Aufmerksamkeit richten kann. Mit diesem Kurs war es ähnlich. Er war ehrlich, er hat mir etwas gespiegelt. Und gelernt habe ich vor allem dort, wo es unangenehm war.

Meine Konsequenz

Was ich daraus gelernt habe.

An diesem Wochenende ist mir klar geworden, wie sehr das, was man in einem Tantra-Massagekurs erlebt, von der jeweiligen Gruppe abhängt.

Man kauft gewissermaßen die Katze im Sack. Ein Kurs kann harmonisch und tragend sein, er kann aber auch ganz anders verlaufen, als man es sich erhofft hat. Ein solcher Raum ist nach außen geschlossen, die Vorhänge sind zu, und was dort geschieht, bleibt unter uns. Nach innen aber ist er offen: Jeder legt ein Stück seines Schutzes ab, und das macht uns alle verletzlich. Die Arbeit am Körper spiegelt, was gerade ansteht. Für manchen ist das in diesem Moment zu viel, vielleicht ist es einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Wer dann gehen muss, nimmt den anderen nichts weg. Und doch verändert sich der Raum für alle, die bleiben.

Und ich habe etwas über mich selbst gelernt: Unter Männern fallen mir Vertrauen und Loslassen wesentlich leichter. Das ist eigentlich erstaunlich, denn es waren Männer, die mich als Kind verletzt haben.

In dieser gemischten Gruppe konnte ich meine Körperlichkeit und meine Sinnlichkeit nur schwer zulassen. Neben der einen Teilnehmerin erlebte ich auch manch andere Frau als eher distanziert und mir gegenüber weniger offen, nicht so herzlich, wie ich es aus dem ersten Kurs kannte. Ich konnte nicht loslassen.

Die Situation hat mir wieder einmal gezeigt, wie sehr ich auf ein harmonisches Miteinander angewiesen bin, als Mann, als Mensch und vielleicht auch wegen meiner Geschichte. Vielleicht ist das ein Wesenszug von uns Menschen. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Und ich habe gemerkt, wie schnell man aus dem Lot gerät, wenn man den Eindruck hat, nicht angenommen zu werden, wenn andere einem nicht wohlgesonnen, offen und interessiert begegnen.

Ich arbeite einzeln, beim Lernen auch mit Paaren. In einer Einzelsitzung kann ich mich ganz auf den einen Menschen einstellen, auf seine Geschichte und auf das, was er mitbringt. Wenn bei ihm etwas berührt wird und aufbricht, kann ich ihn auffangen und begleiten. In einer Gruppe ist das für einen Anleiter sehr schwer. Und was bei einem Einzelnen hochkommt, gehört zwar zu ihm, wirkt aber trotzdem auf die anderen und bringt sie unter Umständen ein Stück weit von sich selbst weg. Das kann in einer Einzelsitzung nicht passieren. Das gilt für die Tantra-Massage, für die Gay-Tantra- & Body-to-Body-Massage und für das Lernen bei mir.

Mir ist wichtig, dass nach einer Massage oder einem Lerntermin nichts offen bleibt. Ich bin für jedes Nachgespräch da, und wer mir schreibt, bekommt eine Antwort, ohne das Gefühl, lästig zu sein. Gerade dann, wenn etwas aufgewühlt hat, braucht es jemanden, der zuhört.

Ich arbeite ausschließlich mit Männern. Ich gebe ihnen einen Schutzraum, in dem sie ganz bei sich sein können und sich ohne Bewertung so geben dürfen, wie sie empfinden. Mehr darüber findest du auf meiner Seite Warum nur Männer?.

Ein leerer, sonniger Raum mit einer einzelnen Bodenmatratze, dahinter eine weit geöffnete Flügeltür mit Blick in einen Garten mit Olivenbäumen.

Meine Tantra-Massagekurse

Weiterlesen.

Im nächsten und letzten Teil erzähle ich dir von meinem ersten Gay-Tantra-Kurs, den ich als Teilnehmer besuchte. Dort hatte ich gehofft, endlich unter Gleichgesinnten zu sein und tiefer in die Materie eintauchen zu können.

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