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Ein Mann in weißem Leinenhemd steht von hinten gesehen an einem bodentiefen Fenster, eine Hand am Rahmen, und schaut hinaus ins Sonnenlicht.

Meine Tantra-Massagekurse, Teil 1 von 4

Wie ich mich auf die Suche machte.

Jeder, der zu einer Tantra-Massage oder in einen Kurs kommt, bringt seine eigene Motivation mit. Ob sich seine Erwartungen erfüllen, hängt von manchem ab, das man im Vorfeld nicht abschätzen kann.

Michael Köllner · 27. Oktober 2026

Ein Mann sitzt von hinten gesehen auf einer Bodenmatratze, die Arme um die Knie gelegt, und schaut zum sonnigen Fenster.

Worum es geht

Wo meine Geschichte beginnt.

In den nächsten Artikeln erzähle ich dir von meinen eigenen Erfahrungen als Lernender in Tantra-Massagekursen und davon, warum ich heute manches ganz bewusst anders mache. Vielleicht erkennst du dich an der einen oder anderen Stelle wieder.

Meine Geschichte beginnt nicht leicht. Ich konnte meine eigene sexuelle Identität nicht ungezwungen entwickeln. Durch sexuellen Missbrauch in meiner Kindheit wurde meine sexuelle Neugierde von anderen benutzt und instrumentalisiert. Als Kind fehlten mir die Mittel, das zu verstehen und einzuordnen.

Ohne dass ich es wollte oder dass es mir bewusst war, wurden Sexualität und Körperlichkeit für mich zu einem Beweis: Jemand möchte Sex mit mir, also werde ich geliebt. Und umgekehrt: Wenn mich kein Mann begehrte, fühlte ich mich wertlos.

Junge Jahre

Ein reich gedeckter Tisch.

Ich wuchs in den Siebziger- und Achtzigerjahren auf. Schwules Leben wurde damals öffentlich sichtbarer.

Das Coming-out war ein großes Thema. In Fernsehserien tauchten schwule Männerpaare auf. Es gab schwule Magazine, die dieses Leben zelebrierten und überhöhten: schöne, junge, muskulöse, unbeschwerte Männer, sexuelle Freizügigkeit in jeder Variation. Und zugleich verunsicherte mich die Aids-Krise zutiefst.

Anfang meiner Zwanziger musste ich mich also damit auseinandersetzen, wie ich meine sexuelle Identität angesichts meiner bitteren Erfahrungen leben kann. Ich stand vor einem großen, reichhaltigen Tisch und hatte das Gefühl, ich kann daran nicht teilnehmen.

Ich hatte eine Fantasie davon, wie sich meine sexuelle Identität befreit anfühlen könnte. Und es gab in mir ein inneres Wissen, das ich nicht genau benennen kann: Vieles wurde falsch geprägt. Aber da gibt es einen Kern, der heil geblieben ist. Und er möchte sich entwickeln und zeigen.

So hatte ich die Idee, eine Therapieform zu finden, in der ich meine Sexualität hätte neu erlernen können. Ich wünschte mir einen Körpertherapeuten, der mir durch Gespräch und Körperübungen hilft, mir selbst wieder nahezukommen. Doch so eine Form habe ich nicht gefunden.

Beziehungen

Zwischen Nähe und Begehren.

In meiner ersten wichtigen Beziehung stieß die Entwicklung meiner sexuellen Identität ebenfalls an Grenzen.

Trotz meiner Liebe zu diesem Mann brachten seine Einstellung zur Sexualität und sein beruflicher Rahmen einen goldenen Käfig mit sich. Und wieder war ich an dem Punkt, dass ein Mann über die Entwicklung meiner sexuellen Identität bestimmt. Je mehr ich um diese Entwicklung und um Offenheit kämpfte, desto mehr ging die Beziehung auseinander.

Nun bin ich seit über 13 Jahren glücklich mit meinem jetzigen Mann verheiratet. An meiner Seite steht ein reifer und reflektierter Mensch, ohne Besitzanspruch und Übergriffigkeit, frei von jeder Form von Eifersucht. Wir leben eine wunderbare und offene Beziehung.

Über die Jahre ist eine unglaubliche Vertrautheit und Nähe gewachsen, die wir beide als großes Geschenk betrachten. Wir sind uns dessen sehr bewusst. Wir erleben aber auch, dass gerade diese Vertrautheit, diese Nähe und Geborgenheit das sexuelle Begehren dämpfen. Begehren braucht ein bisschen Fremdheit und Abstand. Geborgenheit braucht Nähe. Beides zugleich zu haben, ist nicht so einfach. Vielleicht kennst du das auch.

Die ersten Tantra-Massagen

Ein Wendepunkt.

Vor rund sechs Jahren stieß ich auf die Anzeige eines Mannes, der gerade die Tantra-Massage erlernte und noch ein paar Übungsklienten suchte.

Da war er wieder, dieser Drang in mir, der mich nie ganz losgelassen hatte. Diesmal stand mir kein goldener Käfig im Weg. In der Offenheit meiner Beziehung fand ich die Freiheit, mich in meiner sexuellen Identität neu zu finden und ein Fundament zu legen, auf dem ich weiterwachsen konnte.

Ich erlebte zwei aufregende Tantra-Massagen bei ihm. Voll des Mutes, begleitet von Neugierde, Vorfreude und einem gewissen Respekt davor, nackt vor einem fremden Mann zu sein. Diese Erfahrungen waren ein Wendepunkt. Ich war wochenlang euphorisiert und hatte endlich den Weg gefunden, den ich mir so lange gewünscht hatte.

Mit meiner Begeisterung steckte ich meinen Mann an. Wir hatten beide den Wunsch, uns wieder mehr Zeit für körperliche Begegnung zu nehmen. Ein Stück herauszukommen aus der Komfortzone, die uns Vertrauen, Nähe und Geborgenheit gibt. Wieder ein bisschen mehr Abenteuer, ein bisschen mehr Leidenschaft, ein bisschen mehr körperliche Sexualität. So entschieden wir uns, die Tantra-Massage gemeinsam zu erlernen, und fanden uns in einem gemischtgeschlechtlichen Kurs wieder.

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