Das Coming-out war ein großes Thema. In Fernsehserien tauchten schwule Männerpaare auf. Es gab schwule Magazine, die dieses Leben zelebrierten und überhöhten: schöne, junge, muskulöse, unbeschwerte Männer, sexuelle Freizügigkeit in jeder Variation. Und zugleich verunsicherte mich die Aids-Krise zutiefst.
Anfang meiner Zwanziger musste ich mich also damit auseinandersetzen, wie ich meine sexuelle Identität angesichts meiner bitteren Erfahrungen leben kann. Ich stand vor einem großen, reichhaltigen Tisch und hatte das Gefühl, ich kann daran nicht teilnehmen.
Ich hatte eine Fantasie davon, wie sich meine sexuelle Identität befreit anfühlen könnte. Und es gab in mir ein inneres Wissen, das ich nicht genau benennen kann: Vieles wurde falsch geprägt. Aber da gibt es einen Kern, der heil geblieben ist. Und er möchte sich entwickeln und zeigen.
So hatte ich die Idee, eine Therapieform zu finden, in der ich meine Sexualität hätte neu erlernen können. Ich wünschte mir einen Körpertherapeuten, der mir durch Gespräch und Körperübungen hilft, mir selbst wieder nahezukommen. Doch so eine Form habe ich nicht gefunden.