Einem Anleiter war es wichtig, dass wir als Massierende, bevor wir starten, eine Weile tief, schnell und geräuschvoll atmen. Warum sollte ich so etwas tun? Ich kann nachvollziehen, dass tiefes Atmen entspannen, Hemmungen lösen oder den Fluss im Körper anregen kann. Doch wie so vieles wurde auch dies nicht genau erklärt und in keinen Zusammenhang gestellt.
Ohne jede Ankündigung wurde mitten in einer Massage ein Räucherstäbchen angezündet. Als Empfangender hatte ich gerade begonnen loszulassen, als mir plötzlich der Rauch in die Nase stieg und mir das Atmen erschwerte.
Von der Langsamkeit der Berührungen war zwar immer wieder die Rede, doch gezeigt wurde sie wenig und geübt erst recht nicht so ausgiebig, dass jeder sie wenigstens im Ansatz beherrscht hätte. Umso mehr berührte mich, was einer der Männer, die ich massiert hatte, später in der Runde sagte: „An Michael habe ich gemerkt, was eine langsame Berührung eigentlich ist.“
Dann kam eine Sequenz, die ich bis dahin nicht kannte. Ich lag auf dem Bauch, und jemand setzte sich auf mein Becken, um meine Schulterblätter zu lösen. Ich bekam Platzangst und musste mich wehren. Kaum hatte sich der Mann von mir erhoben, fand ich mich in der Lage wieder, mich zu entschuldigen, weil er diesen Griff nun nicht wie gezeigt an mir üben konnte. Was hat das mit einer Tantra-Massage zu tun?
Als ich in einer Runde ansprach, dass auf die Massierten zu wenig eingegangen werde, kam prompt Gegenkritik von einem Teilnehmer: Wir seien nicht hier, um die Massierten im Blick zu haben, sondern um das Massieren zu lernen. Von den Anleitern kam dazu kaum eine Äußerung. Doch wie kann man massieren lernen, ohne den Massierten im Blick zu haben? Massierter und Massierender sind immer eine Einheit. Als Anfänger muss ich lernen, das, was ich als Massierter fühle, in Worte zu fassen und mitzuteilen, damit der Massierende lernen kann.
Ich fühlte mich in diesem Kurs zunehmend als Außenseiter. Ich sah vieles kritischer als die anderen Anfänger. Als ein Anleiter dann nebenbei erzählte, in fast jedem Kurs gebe es eine Diva, machte es in mir sofort Klick: Diesmal bin ich das. Gemeint war ich nicht, und doch traf mich der Satz, zumal er dabei, so habe ich ihn verstanden, auch an Menschen mit Missbrauchserfahrung dachte. Wer so etwas in einem Kurs sagt, sollte sich bewusst sein, wie es bei jemandem ankommen kann.