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Ein Mann liegt mit geschlossenen Augen auf einer Bodenmatratze in einem sonnigen Raum; ein anderer Mann kniet, von hinten gesehen, neben ihm und legt ihm ruhig die Hände auf Brust und Bauch.

Offen gesprochen

Was bei der Intimmassage wirklich passiert.

In einer Tantra-Massage ist der Intimbereich ein Teil der ganzheitlichen Berührung. Hier erzähle ich dir, was dabei geschieht.

Michael Köllner · 30. Oktober 2026

Das erste Mal

Was viele sich vorstellen.

Bevor ein Mann zum ersten Mal zu einer Tantra-Massage kommt, läuft in seinem Kopf oft ein ganzer Film.

Ein abgedunkelter Raum, Kerzen, warmes Öl. Kaum liegt er, geht es nur noch in eine Richtung. Jede Berührung steuert auf das eine zu, und am Ende steht der gewaltigste Orgasmus seines Lebens.

So oder ähnlich stellen es sich viele vor. Oft werde ich vorher gefragt, ob ich auch eine Prostata-Massage mache, und manche haben noch weitergehende Fantasien. Das ist kein Wunder: Wer sich im Internet über Tantra-Massage informiert, stößt auf die unterschiedlichsten Angebote und auf Filme, die mit einer Tantra-Massage wenig zu tun haben. Sie sind stark sexuell aufgeladen und auf ein Ziel ausgerichtet.

Was bei mir wirklich geschieht, ist etwas anderes. Und vielleicht sogar mehr.

Der ganze Mann

Mehr als nur der Penis.

Wenn von Intimmassage die Rede ist, denken viele zuerst an ihr Glied. Gemeint ist aber ein größerer Bereich deines Körpers.

Dazu gehören der Penis, die Hoden, der Damm zwischen Hoden und Anus, der Anus selbst und, wenn du es möchtest, die Prostata. Für mich gehört auch der Brustbereich dazu.

Eigentlich ist „Intimbereich“ ein sehr enger Begriff. Wer hat festgelegt, wo er beginnt und wo er endet? Es gibt viele Stellen, die sich bei Berührung hochsensibel und wunderschön anfühlen können: die Seiten des Halses, das Kinn, die Innenbereiche der Ohren, die Füße, die Innenseiten der Oberschenkel und viele mehr. Welche das sind, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Manche nennen diesen Teil der Massage Lingam-Massage. Ich bediene mich keiner östlichen Worthülsen. Bei mir heißt das Intimmassage. Warum, erzähle ich dir im Artikel Lingam, Yoni, Penis.

Gerade dieser Teil unterscheidet die Tantra-Massage von einer Wellness- oder Sportmassage. Eine Sportmassage ist zielgerichtet: Sie sucht Knoten und verkrampfte Stellen und versucht, sie zu lösen. Der Intimbereich und die Brust bleiben dabei abgedeckt und ausgespart. In der Tantra-Massage wird alles mit derselben Achtsamkeit berührt wie dein Rücken oder deine Füße.

Ein Mann liegt bäuchlings auf einer Bodenmatratze, ein Leinentuch über dem Po; ein anderer Mann legt ihm ruhig beide Hände auf den unteren Rücken und das Tuch.

Erst der Körper

Nicht gleich ans Ziel.

Eine Intimmassage steht bei mir nie für sich allein. Sie wächst aus einer langen Berührung des ganzen Körpers heraus.

In der ersten Phase bist du mit einem Tuch bedeckt, und ich berühre dich langsam und sanft von Kopf bis Fuß. So kannst du deinen Körper wieder als Ganzes wahrnehmen. Das braucht Zeit, und viele erleben schon diesen Teil als tief entspannend und durchaus lustvoll. Hier berühre ich bereits jeden Teil deines Körpers, auch den Intimbereich. In der zweiten Phase, nackt und mit viel Öl, wird dein Intimbereich ausführlicher und intensiver einbezogen.

Viele Männer kennen das anders: Berührung landet schnell beim Genital, als wäre der Rest des Körpers taub für Sinnlichkeit. Nach einer langen Tantra-Massage ist das oft anders. Der ganze Körper ist warm und durchblutet, entspannt und offen. Diese Lockerheit nehme ich mit meinen Händen auf und verteile sie über den ganzen Körper.

Manche Männer entdecken nach einer oder mehreren Massagen Stellen an sich, denen sie bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt haben oder die sie nicht als lustvoll kannten. Dabei geht es gar nicht darum, dir die Lust an der Berührung deiner Genitalien zu nehmen. Es geht darum, dein Bewusstsein zu erweitern und die Bereitschaft, deine Gefühle ganzheitlicher wahrzunehmen.

Deine Grenzen

Was berührt wird, entscheidest du.

Bevor ich dich berühre, sprechen wir in Ruhe darüber, was für dich in Ordnung ist und was nicht.

Jede Stelle kann ausgenommen werden, auch der ganze Intimbereich. Eine Massage gelingt nicht erst dann, wenn ich alles an dir berühren darf.

Wir vereinbaren ein Stopp-Zeichen, und ein Stopp gilt sofort, ohne Wenn und Aber. Du kannst auch mittendrin etwas ändern: mehr, weniger, langsamer, eine Pause. Ein Ja vom Anfang bindet dich nicht. Und wenn eine Grenze auftaucht, mit der du nicht gerechnet hast, ist das kein Fehler. Es zeigt dir nur, wo du gerade stehst.

Ohne Leistungsdruck

Alles darf, nichts muss.

Die häufigsten Fragen vor einer Massage drehen sich um den eigenen Körper: Was, wenn ich eine Erektion bekomme? Und was, wenn nicht?

Beides ist in Ordnung. Eine Erektion darf entstehen, ohne dass du dich dafür schämen musst. Ich nehme sie wahr und freue mich darüber, und auch ich bekomme bei der Arbeit oft eine Erektion. Genauso in Ordnung ist es aber, wenn der Penis entspannt bleibt. Ob eine Massage gelingt, hängt nicht an einer bestimmten Reaktion deines Körpers, die du dir vielleicht erhoffst oder wünschst. Die Empfindungen können auch ohne Erektion sehr stark sein. Manchmal laufen Wellen durch den ganzen Körper, oder es bleibt ein Kribbeln von Kopf bis Fuß.

Ein Orgasmus ist kein Ziel. In Tantra-Kreisen hört man oft, ein Mann solle seine Erregung halten, statt zu kommen. Von dieser starren und bewertenden Haltung halte ich nichts, denn damit wird daraus nur eine neue Leistung. Kommt es zum Orgasmus, darfst du ihn in vollen Zügen genießen. Viele Männer erleben ihn nach so langer Berührung tiefer und länger, und danach breitet sich Ruhe im ganzen Körper aus.

Und wer Angst hat, zu früh zu kommen: Wenn es geschieht, dann ist es so. Es ist überhaupt kein Problem, die Massage danach fortzusetzen.

Klare Rollen

Keine gegenseitige Begegnung.

So nah und intim eine Tantra-Massage sein kann, sie hat einen klaren Rahmen.

Du empfängst, ich gebe. Du musst mir nichts zurückgeben und nichts erwidern. Die Berührung deines Intimbereichs, wie die deines ganzen Körpers, dient dem Spüren, der Entspannung und der Erfahrung mit dir selbst, nicht dem sexuellen Erleben oder Handeln zwischen uns.

Bei der Gay-Tantra- & Body-to-Body-Massage ist das anders. Dort darf sexuelle Erregung bewusst Teil der Begegnung sein. Mehr dazu findest du auf der Seite Erleben.

Meine eigene Erfahrung

Was ich am eigenen Körper gelernt habe.

Berührungen im Intimbereich brauchen besonders viel Feingefühl und Aufmerksamkeit, gerade in einem Bereich, der für uns Männer eine große Rolle spielt. Das habe ich selbst erlebt.

Mein Geschlechtsteil ist durch angeborene Gegebenheiten und mehrere Operationen nicht mehr unversehrt. An manchen Stellen ist das Gefühl vermindert, an anderen spüre ich Schmerz statt Lust. Als Lernender machte ich in einem Kurs diese Erfahrung: Wir übten eine Technik für Penis und Hoden, und ich spürte nichts. Die Berührung fühlte sich an, als würde etwas an mir gemacht, statt mit mir.

Ich habe aber auch das Gegenteil erlebt: aufmerksame, sinnliche, genau passende Berührung, die in mir eine tiefe Ahnung von lustvoller Körperempfindung geweckt hat.

Und ich habe etwas Wichtiges gelernt: Unser Gehirn kann sich verändern. Auch dort, wo Gewebe vernarbt ist oder Nerven verletzt wurden, kann es nach und nach neue Verknüpfungen bilden und lernen, die verbliebenen Empfindungen deutlicher wahrzunehmen. Auf meinem Weg ist mein Penis Schritt für Schritt sensibler und lustvoller geworden, und meine Orgasmen sind viel stärker als früher.

Es lohnt sich also nicht, zu sagen: Da spüre ich nichts, da wird auch nichts mehr. Wer seine Aufmerksamkeit immer wieder dorthin lenkt, gibt dem Gehirn ein Signal: Da ist etwas. Mit etwas Übung kann die Empfindsamkeit tatsächlich wieder zunehmen.

Darum weiß ich: Kein Körper ist wie der andere. In meiner Arbeit frage ich nach, nehme wahr, worauf du reagierst, und richte mich danach. Und weil ich selbst einen männlichen Körper habe, kenne ich viele Stellen, die lustvoll sein können, und auch den Druck, den Männer sich mit Erektion und Orgasmus machen.

Von meinem Weg durch die Kurse erzähle ich in der Serie Meine Tantra-Massagekurse.

Ein Mann mit nacktem Oberkörper und heller Leinenhose sitzt, von hinten gesehen, am Rand einer Bodenmatratze und schaut zum sonnigen Fenster; neben ihm liegt ein senfgelbes Tuch.

Du möchtest es selbst erleben?

Dein ganzer Körper darf spüren.

Die Intimmassage ist bei mir ein wichtiger Teil einer Tantra-Massage von mindestens zwei Stunden, mit Gespräch davor und Zeit zum Nachspüren.

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